Flüchtlinge am Mittelmeer

APA/AFP/Aris Messinis

Flucht übers Mittelmeer: „Totengräber der Schiffbrüchigen“

Flucht übers Mittelmeer: „Totengräber der Schiffbrüchigen“ | Venezuela vor dem Kollaps? Papst Franziskus als „Friedensvermittler“ | Fidel Castro: Der Revolutionsführer, der drei Päpste traf

Sendungsprofil Orientierung

ORF

Sendungshinweis

„Orientierung“ am Sonntag,
04.12.2016, 12.30 Uhr, ORF 2
Wiederholung am 06.12.2016, 10.35 Uhr, ORF III

Flucht übers Mittelmeer: „Totengräber der Schiffbrüchigen“

„Türkei Nordafrikas“ wird das Land schon genannt, wenn es darum geht, Tunesien eine Schlüsselrolle im Umgang mit Menschen auf der Flucht zuzuschreiben: EU-Staaten haben das Land in den vergangenen Monaten mit Personal, Logistik und Geräten versorgt.

Das Ziel: Migranten und Flüchtlinge aus vielen Teilen Afrikas, die über das Mittelmeer nach Europa wollen, an der Weiterfahrt zu hindern. Doch viele lassen sich nicht aufhalten: Sie weichen ins Nachbarland Libyen aus, wo nach dem Sturz von Diktator Gaddafi noch immer keine Ruhe eingekehrt ist.

Dort werden sie von Schleppern auf oft kaum seetaugliche Boote gebracht und Richtung Europa geschickt. Flüchtlinge, denen unser Autor begegnet ist, sagen: „Wir müssen nur außerhalb der Hoheitsgewässer sein, dann kommt schon ein ´Taxi `“– gemeint ist ein internationales Rettungsschiff – „und bringt uns direkt nach Italien.“

Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Tausende Menschen sind in den vergangenen Jahren im Mittelmeer ertrunken. Das wissen auch christliche und muslimische Helfer in Tunesien, die Menschen auf der Flucht – aber auch solchen, die wieder zurück in ihre Heimatländer wollen – Beistand gewähren. Manchmal aber auch nur ein letztes Geleit – als Totengräber der Schiffbrüchigen.

Bericht: Detlef Urban, Länge: 8 Minuten

Im „Orientierung“-Schaltgespräch: Diakonie-Direktor Michael Chalupka, der sich anlässlich eines Vernetzungstreffens zum Themenkreis Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Flüchtlingspolitik gerade in Rom aufhält.

Venezuela vor dem Kollaps? Papst Franziskus als „Friedensvermittler“

Es sollte der „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ werden, den Präsident Hugo Chavez und sein Nachfolger Nicólas Maduro in Venezuela verwirklichen wollten. Wie kaum ein anderer Staat ist Venezuela vom Erdöl abhängig. Und davon hat das Land riesige Mengen.

Von den „Petrodollars“ sollten alle profitieren: So kostete Benzin lange Zeit kaum Geld, Erlöse aus dem Verkauf von Erdöl füllten die „Sozialkassen“. Aber seit der Ölpreis weltweit deutlich gesunken ist, steht Venezuela vor riesigen Problemen – die Wirtschaft droht zu kollabieren.

Hoch qualifizierte Arbeitskräfte verlassen in Scharen das Land, es mangelt an Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung steigt von Tag zu Tag. Doch Präsident Maduro regiert weiter mit eiserner Hand und Notverordnungen, selbst das Parlament ist entmachtet.

Auf Bitten der Opposition einerseits und des Präsidenten andererseits hat sich nun Papst Franziskus persönlich eingeschaltet und einen Gesandten nach Venezuela geschickt, um einen Dialog zwischen den verfeindeten Gegnern in Gang zu bringen. Der nächste Schritt dazu steht unmittelbar bevor: eine Gesprächsrunde des päpstlichen Emissärs am kommenden Dienstag.

Bericht: Detlef Urban, Länge: 8 Minuten

Fidel Castro: Der Revolutionsführer, der drei Päpste traf

Als „charismatischer Despot“, „Langzeitherrscher“, „Revolutionsführer“ wurde er schon Zeit seines Lebens bezeichnet: Kubas Fidel Castro, der am vergangenen Samstag im Alter von 90 Jahren gestorben ist und am kommenden Sonntag beigesetzt wird.

Mehr als fünf Jahrzehnte Jahre lang bestimmte Castro – zuletzt zusammen mit seinem regierenden Bruder Raúl - das politische und gesellschaftliche Leben Kubas. Seine Erziehung erhielt der spätere „Comandante“ in einem Jesuiten-Kolleg in Santiago de Cuba.

Dort seien ihm auch– so Castro einmal in einem Interview - Disziplin und Respekt vor dem Christentum beigebracht worden. Nach dem Sturz der Diktatur Fulgencio Batistas 1959 überwarf er sich allerdings mit der katholischen Kirche Kubas – die, wie auch die Opposition im Land, über Jahrzehnte verschärfter Repression ausgesetzt und von Menschenrechtsverletzungen betroffen war.

Das Verhältnis zur Kirche besserte sich merklich ab 1991 - nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, der sich das sozialistische Kuba eng verbunden fühlte. Und so traf 1998 Papst Johannes Paul II. in Kuba mit Fidel Castro zusammen.

Der Papst aus Polen war damit der erste Pontifex, der den Inselstaat besuchte. Mit ihm setzte eine Art „Tauwetter“ zwischen der katholischen Kirche und Fidel Castro ein.

2012 besuchte Benedikt XVI. Kuba – weitere Zugeständnisse wurden gemacht, sicher nicht ohne Zustimmung des inzwischen bereits zurückgetretenen Fidel Castro. Priesterseminare wurden eröffnet, der Karfreitag wurde zum staatlichen Feiertag.

Und auch mit dem amtierenden Papst traf der pensionierte Revolutionsführer noch zusammen – 2015 besuchte Papst Franziskus Kuba. Auch dieses Ereignis wird mit historischen Entwicklungen in Verbindung gebracht: Über Vermittlung des Vatikan soll es zur Annäherung zwischen den USA und Kuba in den vergangenen Monaten gekommen sein.

Bericht: Klaus Ther, Länge: 3 Minuten

Moderation: Christoph Riedl-Daser
Redaktionsleitung: Norbert Steidl