gothischer Kirchenraum mit farbenreichen hohen Fenstern

Pfarre Waidhofen

„Viele Farben hat das Licht“

Eine bunte Messe, live aus der Stadtpfarrkirche des niederösterreichischen Waidhofen an der Ybbs. Mit der Gemeinde feierte Dechant Herbert Döller.

Pfarrer Herbert Döller, lächelnd im Portrait

Pfarre Waidhofen

Herbert Döller

Zu einem farbenreichen Gottesdienst lud die Stadtpfarre Waidhofen an der Ybbs im niederösterreichischen Mostviertel. Das Licht, das wiederstrahlt, ist Christus. Und das in uns - in den verschiedensten Farben der Edelsteine, die wir Menschen sein können, so Dechant Herbert Döller. Seine Gemeindemitglieder bringen unzählige individuelle Talente und Neigungen mit ins Pfarrleben und lassen es so mannigfaltig und bereichernd werden, wenn sie selbst wiederum ausstrahlen.

Ein Licht strahlt auf

1. Lesung: Jesaja 8

Einst hat der Herr das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet, aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.

Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers.

Ist denn Christus zerteilt?

2. Lesung: Erster Korintherbrief 1

Ich ermahne euch, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung. Es wurde mir nämlich, meine Brüder, von den Leuten der Chloe berichtet, dass es Zank und Streit unter euch gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: „Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus.“ Ist denn Christus zerteilt?

Denen im Schattenreich erschien ein Licht

Evangelium: Matthäus 4

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.

MUSIK

Wer glaubt, ist nicht allein

Kyrie

W.A. Mozart: Spatzenmesse

Zu dir, oh Herr,
erheb ich meine Seele

W.A. Mozart: Kirchensonate

Agnus Dei

Nun danket alle Gott!

Kirchenmusikvereinigung Stadtpfarrkirchenchor
&
Kirchenmusikorchester
Waidhofen an der Ybbs

Solistinnen und Solisten:

Franz Hehenberger

Edith Kaltenböck

Birgit Kopf

Andreas Prüller

Julia Schick

Lisa Maria Stadler

Orgel: Walter Zambal

Musikalische Leitung:
Johannes Sulzer

Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa, das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.

Von da an begann Jesus zu verkünden: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas. Sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

In welcher Farbe leuchten Sie?

Predigt

Liebe Mitfeiernde, Schwestern und Brüder im Herrn! Dass sie uns hier in unserer hellerleuchteten Stadtpfarrkirche sehen können, verdanken wir dem Licht. Viele rote, grüne und blaue Farbpunkte fügen sich im menschlichen Auge zu einem schönen bunten Bild zusammen. Diese technisch physikalische Betrachtungsweise zeigt uns, wie viele Farben das weiße Licht eigentlich in sich hat.

Vor wenigen Wochen bin ich mit einer Gruppe unserer Sternsinger bei einer 99jährigen bettlägrigen Frau gewesen. Zuerst hatte sie die Augen geschlossen, schien uns nicht wahrzunehmen. Aber als wir ihr unser Lied zum zweiten Mal vorgesungen haben, öffnete sie plötzlich die Augen, nickte uns zu und - strahlte. Das war ein ganz anderes Licht. Wir haben beim gemeinsamen Mittagessen später noch davon gesprochen, wie schön das war. Ich habe den Mädchen gesagt, dass sie es waren, die Licht, Farbe, Freude in das Leben dieser Frau gebracht haben.

Sogar im Todesschatten leuchtet dieses helle Licht, haben wir heute in Lesung und Evangelium gehört. Dies wird dem Volk Israel zum Trost in der Gefangenschaft gesagt. Uns wird gesagt, dass es sich in Jesus wirklich erfüllt hat. Er ist gekommen und hat Farbe in das Leben jener Menschen gebracht, denen er das Wort Gottes verkündete und deren Nöte und Sorgen er sah und heilte.

Jesu Licht bringt bis heute Hoffnung zu Kranken, Hilfe zu Notleidenden und Heimatlosen. Ja er sagt sogar einmal, dass er das Licht der ganzen Welt und für jeden Menschen sei. Wie kommt das? Das Licht Jesu fiel auch damals auf jene Fischer, denen er am See begegnete und die er berufen hat. Damit hört er bis heute nicht auf. Wir kennen alle die reflektierenden Streifen an den Sicherheitsjacken. Sobald sie von einem Licht getroffen werden, strahlen sie zurück. Wo Jesu Licht auf einen bereiten, offenen Menschen fällt, leuchtet dieser in seinem je eigenen Licht, auf gemäß dem Wort Jesu: Ihr seid das Licht der Welt.

So leuchtet der eine oder die andere in der Farbe der besonderen Nachfolge Jesu als Priester oder Ordenschrist. Da leuchten Männer und Frauen in ihrer Berufung als Eheleute und Eltern. In der Pfarrgemeinde leuchtet die Farbe der musikalischen Begabung auf, oder es strahlt jemand in der Liebe zu den Kindern und Jugendlichen. Eigentlich hat das Licht Jesu so viele Farben, wie es Menschen gibt, die ihm nachfolgen. Aber immer ist es eigentlich Jesu Licht, das im Miteinander dieser Farben über den Dunkelheiten der Welt von heute erglänzt.

In dieser Woche beten wir besonders um die Einheit der Christen. Gerade in unserer Stadt, die auch eine der europäischen Reformationsstädte 2017 ist, sind wir froh, dass nach den Jahrhunderten der Dunkelheit der Trennung Christi Licht aufleuchtet. Wie hat Paulus gemeint in der zweiten Lesung? Christus ist nicht zerteilt, Zank und Streit sind nicht Kennzeichen der Kirche Christi.

Könnte man die verschiedenen Konfessionen nicht auch als verschiedene Farben des einen Lichtes Christi sehen und so Spaltungen überwinden? Viele Farben hat das Licht. Er - Jesus ist das Licht. Und in welcher Farbe leuchten Sie?

Die wechselnden Farben der Pfarrgeschichte

Eine Urkunde des Papstes Urban III. aus dem Jahr 1186 nennt „in der Klaus und in Waidhofen“ Gotteshäuser als Besitz des Stiftes Seitenstetten. Seelsorglich gehörte das Gebiet damals noch zur ehemals passauischen Pfarre Aschbach, die bis zur steirisch-oberösterreichischen Grenze reichte. Die Grundherrschaft stand dem Bischof von Freising zu, der im Gebiet des Mostviertels seit 993 mehrfach vom Kaiser Güter anvertraut bekommen hatte, darunter auch die berühmte „Ostarrichi“-Schenkung 996. Im 15. Jahrhundert entstand die heutige Kirche. Während der Reformationszeit folgen die Pfarrer zwischen 1551 und 1589 der neuen Lehre. Eine Zeit, in der der katholische Stadtherr und der großteils evangelische Stadtrat ihren Machtkampf um den Einfluss in der Stadt austrugen.

Doch suchten zuerst die Pfleger der Freisinger Bischöfe das katholische Bekenntnis durch harte Maßnahmen gegen evangelische Mitbürger zu fördern, kamen doch bald Pfarrer, die auf Überzeugungsarbeit setzten. Auch die Ansiedlung der Kapuziner sollte diesem Ziel dienen. 1785 wurde Waidhofen in die neue Diözese St. Pölten eingegliedert und Sitz des gleichnamigen Dekanates. Nach der Säkularisation des Hochstiftes Freising ging 1806 das Patronat über die Pfarrkirche auf die Staatsherrschaft bzw. den jeweiligen Schlossbesitzer über, bis es 1976 abgelöst wurde. Waidhofen wurde Mutterpfarre für Konradsheim, Zell an der Ybbs und Böhlerwerk und hat heute um die 5000 Katholikinnen und Katholiken.

Aktuelles in der Gemeinde

www.pfarre-waidhofen.at

Kontakt

Katholische Pfarre Waidhofen an der Ybbs
Oberer Stadtplatz 35
3340 Waidhofen an der Ybbs
Österreich

gottesdienst@orf.at

Bildregie

Verena Maria Kalenda