Jesiden Frauen

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Rückkehr der „Verdammten“: Jesidische Frauen im Nordirak

Rückkehr der „Verdammten“: Jesidische Frauen im Nordirak | Mutige Predigt 1941: Bischof verurteilt NS-Euthanasie-Morde | Pater Angel hilft: „Reiche zahlen, Arme essen umsonst“ | Wege aus der Not: Die „Ziegelkinder“ von Haryana

Sendungsprofil Orientierung

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Sendungshinweis

„Orientierung“ am Sonntag,
19.02.2016, 12.30 Uhr, ORF 2
Wiederholung am 21.02.2017, 10.30 Uhr, ORF III

Rückkehr der „Verdammten“: Jesidische Frauen im Nordirak

Die jahrtausendealte Religionsgemeinschaft der Jesiden im Norden des Irak hat ganz besonders unter der Herrschaft des sogenannten Islamischen Staates zu leiden.

Tausende Jesiden wurden – als „Ungläubige“ verdammt - vor zweieinhalb Jahren vom IS aus ihren Dörfern vertrieben, getötet und viele ihrer Frauen und Kinder wurden verschleppt und versklavt.

Mehr als 2600 befinden sich immer noch in der Gewalt des IS, aber 1700 von ihnen wurden inzwischen befreit, in zahlreichen Fällen auch durch hohe Geldzahlungen „freigekauft“.

Wie aber werden die vom IS verschleppten und vergewaltigten jesidischen Frauen nach ihrer Rückkehr von ihrer eigenen, strengen Religionsgemeinschaft mit ihren konservativen Stammes- und Ehrbegriffen wieder aufgenommen? Ein „Orientierung“-Team ist in jesidischen Dörfern in den kurdischen Bergen im Irak dieser Frage nachgegangen.

Bericht: Karim El-Gawhary, Länge: 6 Minuten

Mutige Predigt 1941: Bischof verurteilt NS-Euthanasie-Morde

Es ist der Jahreswechsel 1941/42: Erstmals wagt es mit dem St. Pöltner Bischof Michael Memelauer ein österreichischer, katholischer Bischof, öffentlich das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten zu verurteilen.

„Du sollst nicht töten. Das ist das gewaltige, die Menschheit auf der ganzen Welt schützende Gottesgesetz, hineingeschrieben in das Gewissen aller.“ Ausgehend vom fünften Gebot bezieht Memelauer Stellung. Tausende Menschen mit Behinderungen waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits von den NS-Behörden als „unwertes Leben“ eingestuft, deportiert und schließlich getötet worden.

„Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben“ ruft Bischof Memelauer anlässlich seiner Silvesterpredigt den Gläubigen im Dom zu St. Pölten zu. Eine so deutliche Benennung dieser Morde hat es von Seiten der österreichischen Bischöfe bis dahin noch nicht gegeben. Als „historisches Beispiel von Zivilcourage und Mut unter den katholischen Würdenträgern“ bezeichnet Winfried Garscha vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) diese Predigt Memelauers.

Das DÖW war es auch, das gemeinsam mit dem Diözesanarchiv St. Pölten diese Predigtworte nun in einer Broschüre kommentiert veröffentlicht hat. Die „Orientierung“ berichtet über die Predigtworte von Bischof Memelauer und lässt Experten diese historisch und theologisch einordnen.

Bericht: Christoph Riedl-Daser, Länge: 7 Minuten

Pater Angel hilft: „Reiche zahlen, Arme essen umsonst“

Die Idee ist einfach und bestechend: Warum sollen Menschen, die sich ein teures Essen leisten können, nicht ihren Beitrag leisten, damit auch Bedürftige in den Genuss einer Mahlzeit kommen?

Genau das hat man sich vor wenigen Monaten auch im Robin-Hood-Restaurant in Madrid gedacht, wo betuchte Mittagsgäste ein bisschen mehr zahlen, damit Obdachlose – und das kostenlos – zu Abend essen können. Sie müssen dabei nicht in einer langen Schlange bei der Essensausgabe stehen, sondern werden von Kellnern wie zahlende Gäste behandelt.

„Den Armen und Bedürftigen ihre Würde zurückzugeben“ – diesen Grundsatz verfolgt Pater Angel, ein 79-jähriger Priester, der seit vielen Jahren mit ungewöhnlichen Initiativen – wie eben auch dem Robin-Hood-Restaurant - auffällt. Ein „Orientierung“-Team hat ihn in Madrid getroffen.

Bericht: Josef Manola, Länge: 7 Minuten

Wege aus der Not: Die „Ziegelkinder“ von Haryana

In Indien werden Schätzungen zufolge ungefähr zwölf Millionen Kinder in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen als billige Arbeitskräfte ausgebeutet - sei es als Haushaltshilfen, Näherinnen oder auch in den hunderten Ziegelfabriken im nordindischen Bundesstaat Haryana, im Umland von Neu Delhi.

Die Familien, die in den Ziegelfabriken im indischen Bundesstaat Haryana ihr Dasein in bitterer Armut fristen, sind auf das ohnehin geringe Zusatzeinkommen, das ihre Kinder erwirtschaften, angewiesen. Dennoch reicht der Lohn gerade dazu, das Überleben zu sichern, viele Kinder sind unterernährt.

In den Baracken, in denen die Familien leben, gibt es weder Wasser noch Strom, die hygienischen Verhältnisse sind meist katastrophal. Inmitten der rauchenden Schlote der Ziegelfabriken hat der Orden der Salesianer Don Boscos einen Ort der Hoffnung eingerichtet: ein Kinderbetreuungszentrum mit einer Schule und Kinderspielplätzen.

Medizinische Versorgung, ausreichend Essen und vor allem ein Zugang zu Bildung soll den Kindern die Möglichkeit bieten, aus diesem Kreislauf der Armut auszubrechen. Unterstützt wird das Zentrum vom österreichischen Verein Jugend eine Welt, der in Österreich Spenden für das Projekt sammelt.

Bericht: Gernot Stadler, Länge: 7 Minuten

Moderation: Christoph Riedl-Daser
Redaktionsleitung: Norbert Steidl