Gemeinde vom Altarraum aus beim Hochheben der Hände zum Vaterunser

Harald Winkler

„Christus macht uns sehend“

Zu Laetare wurde der Gottesdienst der Katholischen Pfarre in Gmünd-Neustadt live übertragen, den in der Herz-Jesu-Kirche Pfarrer Pater Georg Kaps mit der Gemeinde feierte.

Laetare - Freu dich! So der Name des vierten Sonntags der katholischen Fastenzeit, eines Tages der Vorfreude auf das Fest der Erlösung. Für diesen Tag lud die Gemeinde der Herz-Jesu-Pfarre ein, Jesus ein Stück deutlicher sehend und sichtbar zu machen.

Sieh nicht auf sein Aussehen!

Lesung: 1 Samuel

In jenen Tagen sprach der Herr zu Samuel: „Fülle dein Horn mit Öl, und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai, denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen."Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel: "Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen. Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: „Diese hat der Herr nicht erwählt.“ Isai schickte also jemanden hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: „Auf, salbe ihn! Denn er ist es.“ Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.

MUSIK

Zu dir, oh Gott, erheben wir

Laetare Jerusalem

Joseph Rheinberger:
Missa St. Crucis

Der Herr ist mein Hirt

Markus Pfandler-Pöcksteiner: Antwortgesang

Lob dir, Christus, König und Erlöser

Max Reger: Du höchstes Licht

Petr Eben: Choralpartita über
„Oh Jesu, all mein Leben bist du“

Lobe den Herren!

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Kantoren: Max Faltin und
Stefan Strobelberger

Sopransolistin: Johanna Reiterer

Männerschola und Chor
der Pfarre Gmünd-Neustadt

Orgel: Adele Brandeis

Musikalische Leitung:
Christoph Maaß

Und als er zurückkam, konnte er sehen

Evangelium: Johannes 9

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde. Dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: „Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!“ Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Sie entgegneten ihm: „Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren?“ Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: „Glaubst du an den Menschensohn?“ Der Mann antwortete: „Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.“ Jesus sagte zu ihm: „Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.“ Er aber sagte: „Ich glaube, Herr!“ Und er warf sich vor ihm nieder.

Wir sehen nur, was wir sehen wollen

Predigt

Liebe Gemeinde, liebe Mitchristen, die mit uns diese Eucharistie vor dem Fernseher feiern, schauen wir uns den blinden Mann aus dem Evangelium näher an! Die Blindheit zwingt ihn, am Anfang zu betteln, weil er so wie er ist keine Aussichten hat, keine Zukunft erkennen kann. Und die Urteile der Menschen verschlechtern seinen Zustand noch. Dann begegnet ihm Jesus. Was Jesus an ihm sieht, hängt nicht nur von den Augen ab - Jesus nimmt ihn mit seiner ganzen Not sehr ernst. Das Gespräch mit Jesus öffnet ihm endgültig die Augen, auch die Augen des Herzens: „Ich glaube, Herr!“ Und er wirft sich in stiller Dankbarkeit vor ihm nieder.

Liebe Mitchristen, liebe Kranke, liebe Einsame vor den Fernsehgeräten, in diesem Moment reichen keine Worte mehr. Hier müssen wir still und nachdenklich werden. Erkennen wir uns vielleicht in dieser Geschichte wieder? Irgendwo sind wir alle blind, irgendwann haben wir alle einen Schleier vor unseren Augen. Viele der Vorbeigehenden haben damals den Blinden gesehen, aber nicht wahrgenommen. Ja, wir sehen nur - wenn wir ehrlich sind - was wir sehen wollen.

Heute sind wir einer Flut von Bildern ausgesetzt. Wir müssen immer wieder wählen, wir können nicht anders. Aber nach welchem Maßstab wählen wir „unsere“ Bilder im Alltag aus? Jesus will jedem von uns Mut machen, in dem langen Entwicklungsprozess des Lebens sehend zu werden. Sehend für andere Menschen und sehend für uns selbst. Das wurde uns heute in einer der schönsten Geschichten der Bibel gezeigt. Diesen Weg durch Licht und Schatten weiterzugehen, unsere Konflikte mit Geduld und Vertrauen auf Gott auszutragen, unbeirrbar auf der Spur zu bleiben, oder sie immer wieder neu zu finden, das heißt für mich Glauben. Das führt uns zu dem, der das Licht selbst ist, der uns immer wieder hier in unserer Kirche versammelt, damit wir uns im Glauben stärken und sagen können: Herr, ich glaube!

Gmünd-Neustadt und seine Pfarrkirche

Es ist ein junger Stadtteil der Bezirksstadt in Niederösterreich, der erst seit 1914 besiedelt ist. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs kamen über 200.000 Flüchtlinge aus Osteuropa in dieses Gebiet.

mächtiges Gotteshaus mit zwei Türmen und breiter Eingangstreppe außen bei Tag im Sommer, von oben gesehen

Pfarre Gmünd-Neustadt

Der „Dom des Waldviertels“

Die Kirche „Zum heiligsten Herzen Jesu“ wurde 1950 bis 1953 nach den Plänen von Josef Friedl geschaffen. Ein zentraler Kuppelbau mit überhöhtem Presbyterium, Apsis und monumentalem Westtrakt. Die außergewöhnliche Treppenanlage zum Hauptportal wird von zwei mächtigen Steinreliefs flankiert - den Erzengeln Gabriel und Michael. Darüber finden sich die Symbole der Evangelisten. Sie alle sind Werke von Adolf Treberer-Treberspurg. Das Kupferdach des Erkers verweist auf das vergoldete Kreuz mit Strahlenkranz aus der Werkstätte des Kunstschlossers Hölzl aus St. Pölten.

Das Presbyterium ist seit 1984 nach einer Idee des Baumeisters Franz Graf durch den runden Altar aus Salzburger Marmor und die Umfassungswände mit dem durch die Kuppel beherrschten Kirchenschiff organisch verbunden. Tabernakelschmuck aus dem Kunstatelier Klobasser sind Mose und die eherne Schlange, die Speisung der Fünftausend sowie die eucharistischen Symbole in Emailarbeit. Auf der Apsiswand stellt ein Fresko des Künstlerehepaars Piffl-Moser Christus und neben ihm die Kirche in ihren geweihten Vertretern dar. - Die Pfarrkirche für die Pfarrgemeinde, die Domkirche von St. Pölten für die Diözese, der Petersdom in Rom für die Weltkirche. Auf der anderen Seite die Kirche in den weltlichen Ständen und Christus als thronender Weltherrscher mit Erdkugel in der einen Hand, segnender anderen Hand und dem geöffneten Herzen, gemäß dem Patrozinium der Kirche. Pfarrer der Gemeinde sind seit der Gründung von Gmünd-Neustadt Ordenspriester der Gemeinschaft der Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria.

Aktuell in der Gemeinde

www.herz-jesu.gmuend.at

Kontakt

Katholische Pfarre Gmünd-Neustadt
Lagerstraße 61
3950 Gmünd
Österreich

gottesdienst@orf.at

Bildregie

Thomas Bogensberger