Ägypten Christen und Muslime gegen Terror

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Der Gewalt trotzen: Ägyptens Christen und Muslime gegen den Terror

Der Gewalt trotzen: Ägyptens Christen und Muslime gegen den Terror | Mexikos „magische Madonna“: Kult um die Jungfrau von Guadalupe | Zum 90. Geburtstag: Autor Peter Seewald über Joseph Ratzinger | Armut und Auferstehung: Sozialexperte Martin Schenk im Interview | „Vulgata“ in Graz: Künstlerische Zugriffe auf die Bibel

Sendungsprofil Orientierung

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Sendungshinweis

„Orientierung“ am Sonntag,
16.04.2016, 12.30 Uhr, ORF 2
Wiederholung am 18.04.2017, 10.35 Uhr, ORF III

Der Gewalt trotzen: Ägyptens Christen und Muslime gegen den Terror

Es war ein blutiger Palmsonntag in Ägypten. Mindestens 45 koptische Christen sind bei Anschlägen auf zwei Kirchen ums Leben gekommen. Der IS, der so genannte Islamische Staat, hat sich zu den Attentaten bekannt.

Der will mit seinen blutigen Taten unter Beweis stellen, dass das ägyptische Regime die Christen – auf etwa acht Millionen wird ihre Zahl geschätzt - nicht ausreichend schützen kann.

Und der IS bedient sich dabei einer Strategie, die schon in anderen Ländern wie dem Irak oder Syrien – zumindest zu einem erheblichen Teil - aufgegangen ist: Mit Attentaten will er die Bevölkerung polarisieren und die verschiedenen Religionsgemeinschaften auseinanderdividieren. Ob diese Rechnung in Ägypten aufgeht?

Bericht: Karim El-Gawhary, Länge: 3 Minuten

Mexikos „magische Madonna“: Kult um die Jungfrau von Guadalupe

Mit rund 20 Millionen Besuchern jährlich gilt Villa de Guadalupe im Norden von Mexico City als einer der meistbesuchten Pilgerorte der Erde. Das Ziel von Pilgerinnen und Pilgern: die riesige Basilika, in der das Gnadenbild der Jungfrau von Guadalupe zu finden ist. Am Fuße des Berges Tepayac wurde die Kirche erbaut – jenes Berges, auf dem im Jahr 1531 die Heilige Maria einem indigenen Bauern namens Juan Diego erschienen sein soll.

Als höchst dienlich – im Sinn katholischer Missionare – hat sich die Erscheinung in den folgenden Jahrzehnten erwiesen: Millionen Azteken ließen sich taufen. Was auch damit zu tun haben dürfte, dass die Jungfrau von Guadalupe unübersehbar indigene Gesichtszüge trägt. Und so ist die Muttergottes nicht nur zur Schutzpatronin Mexikos geworden, sondern auch – im kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung – zum Sinnbild einer ersehnten Einigkeit. Nicht nur für die Katholikinnen und Katholiken Mexikos.

Bericht: Julieta Rudich, Länge: 6 Minuten

Zum 90. Geburtstag: Autor Peter Seewald über Joseph Ratzinger

Über Jahre und Jahrzehnte hat der Journalist und Buchautor Peter Seewald aus Bayern seinen Landsmann Joseph Ratzinger journalistisch begleitet. Er lernte ihn kennen, als Ratzinger Kardinal im Vatikan war und dort die Glaubenskongregation leitete. 2005 wurde Ratzinger Papst. Seewald führte mit Benedikt XVI. ausführliche Interviews.

Aus diesen Begegnungen entstanden Bücher, die Einblick in die Überlegungen und Motive eines amtierenden Papstes gewährten. Auch nach dem für alle Welt überraschenden Rücktritt Benedikts im Februar 2013 trafen die beiden Bayern zusammen. Das Ergebnis war ein Buch mit dem Titel „Letzte Gespräche“.

Am Ostersonntag wird Joseph Ratzinger 90 Jahre alt – ein Anlass, auf sein Leben im Dienst der Kirche und sein von Krisen überschattetes Pontifikat zurückzublicken. Im Interview mit der „Orientierung“ macht Peter Seewald kein Hehl aus seiner Sympathie für Ratzinger. Der Motor im Wirken von Joseph Ratzinger, – ob als Theologe oder als Papst – sagt Seewald, sei immer die Suche nach der Wahrheit gewesen.

Bericht: Christian Rathner, Länge: 7 Minuten

Armut und Auferstehung: Sozialexperte Martin Schenk im Interview

Prekäre Jobs, hohe Wohnungskosten und gesundheitliche Probleme – diese drei Gründe seien die Hauptursachen dafür, warum Menschen von Armut bedroht bzw. davon konkret betroffen sind, so Martin Schenk, Sozialexperte und stellvertretender Direktor der evangelischen Diakonie im „Orientierung“-Interview.

Vor allem gesundheitliche Probleme bei Kindern hätten langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung der Betroffenen. „Die armen Kinder von heute sind die chronisch Kranken von morgen“, bringt es Schenk auf den Punkt. Sichtbar wird Armut etwa in Wien anhand der Lebenswartung: Liegen zwischen Hietzing, dem reichsten Bezirk Wiens, und Rudolfsheim-Fünfhaus, dem ärmsten Bezirk, lediglich ein paar Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, so beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung rund fünf Jahre, erläutert der Sozialexperte der Diakonie.

In der Diskussion rund um Kürzung und Deckelung der Mindestsicherung ortet Schenk eine „realitätsferne Dramatisierung der Debatte, die so tut, als würde sich an der Mindestsicherung die Zukunft des Sozialstaates entscheiden“. Im Interview mit der „Orientierung“ spricht Martin Schenk auch über den Karfreitag und die Auferstehung Jesu, die in der Osternacht gefeiert wird.

Für ihn, so Schenk, sei Auferstehung etwa dann konkret spürbar, wenn Menschen, die in der Gesellschaft als „unbrauchbar abgestempelt“ werden, gezielt gefördert werden und sich wieder einbringen können.

Gestaltung: Christoph Riedl-Daser, Länge: 8 Minuten

„Vulgata“ in Graz: Künstlerische Zugriffe auf die Bibel

„Vulgata“ nannte man die lateinische Bibelübersetzung, die sich seit der Spätantike zur allgemein gebräuchlichen Bibel entwickelt hat. „Vulgata“ heißt auch die Ausstellung, die derzeit im Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz zu sehen ist.

Aber sie fasst das Thema weiter. Unübersehbar und im Jahr des Reformationsjubiläums nicht zufällig trifft man dort auf Martin Luther. Mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche schuf er sozusagen eine neue „Vulgata“ und holte die Texte der Schrift wieder ins Bewusstsein.

Vor allem aber zeigt die Ausstellung „77 Zugriffe auf die Bibel“: Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die sich auf unkonventionelle Weise mit Texten und Motiven der Bibel auseinandersetzen, sie sich aneignen, fortschreiben, ausmalen, umgestalten. Das Ergebnis sind Überraschungen und erfrischende Zugänge, die an Altbekanntes oder Längst-Vergessenes erinnern und es zugleich auf kreative Weise in Frage stellen.

Bericht: Christian Rathner, Länge: 7 Minuten