prächtige barocke Deckenfreskos mit darunterliegenden Seitenaltären

Dominikaner Wien

„sterben und leben“

Ein Livegottesdienst aus der Wiener Dominikanerkirche, den die Gemeinde mit Pfarrer Pater Günter Reitzi und jungen Ordensbrüdern feierte.

„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst“ - strenge Worte von Jesus an seine treuen Jünger im Evangelium. Wie gehen junge Leute, die sich für ein Ordensleben entscheiden, mit solchen Botschaften um? „Das Wort des Herrn bringt mir Spott und Hohn“, heißt es in der Lesung aus dem Buch Jeremia - gilt das in unserer Zeit auch? Um diese Fragen ging es im Gottesdienst aus der Dominikanerkirche Maria Rotunda in Wien, mitgestaltet von einer Gruppe junger Novizen, die sich in dem Innenstadtkloster auf ihr Ordensleben vorbereiten.

MUSIK

Miserere

Der in seinem Wort uns hält

Gott in der Höh sei Preis und Ehr

Meine Seele dürstet nach dir,
mein Gott

Halleluja

Heilig bist du großer Gott

O spem miram

Nun saget Dank
und lobt den Herren!

Kantor: Frater Gabriel

Schola Resupina

Schola der Dominikanerbrüder

Orgel: Eivind Berg

Ein Feuer in meinem Innern

1. Lesung: Jeremia 20

Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien. „Gewalt und Unterdrückung!“ muss ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn.

Sagte ich aber: „Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!“, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte nicht.

Bringt euch selbst als lebendiges Opfer dar!

2. Lesung: Römer 12

Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist, was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist!

Der folge mir nach

Evangelium: Matthäus 16

In jenen Tagen begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden. Er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!“

Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen."

Die Gedanken dieser Zeit durchkreuzen

Predigt

Wer mein Jünger sein will, der folge mir nach. Wie oft machen Sie das Kreuzzeichen am Tag, bewusst und wahrscheinlich auch manchmal unbewusst? Was bedeutet es uns eigentlich, dieses Zeichen auf die Stirn zu malen? Ist es wirklich Zeichen dafür, dass wir uns, unser Leben unter das Kreuz stellen? Oder ist mit diesem Zeichen das passiert, was auch das Gemälde unseres Fraters Adam zum Ausdruck bringt? Ein leeres Zeichen, nur mehr der Schatten davon präsent. Wohin ist das Kreuz verschwunden? Oder: Was ist das Kreuz in meinem Leben?

Oft höre ich von kranken Menschen, dass sie ihr Leid als ihr Kreuz annehmen. Oder bei schwierigen Familiensituationen heißt es auch: So muss halt jeder sein Kreuz tragen. Diese Haltung ermöglicht, Unvermeidliches leichter anzunehmen. Aber verlockt es nicht dazu, Kreuztragen mit Resignation zu verwechseln? Was ist das Kreuz Jesu? Wenn er davon spricht, dass jeder sein Kreuz auf sich nehmen soll, meint er doch ein bewusstes Entscheiden dafür. Dazu müssen wir uns wieder klar werden: Das Kreuz Jesu ist nicht Resignation, sondern bewusstes Eintreten für das Wort Gottes, Festhalten am Wort Gottes. Und dieses Wort, in Jesus selbst Fleisch, Realität, geworden widerspricht einem falschen Geist der Welt. Es widerspricht der Unterdrückung einzelner Menschen oder auch ganzer Völker. Widerspricht dem Machtmissbrauch. Fordert Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Bereitschaft zum Frieden. Weil Jesus selbst dieses göttliche Wort nicht zurücknehmen konnte, musste er den Widerstand gegen den Heilswillen Gottes ertragen. Das Kreuz Jesu war ein entschiedenes Festhalten an der Botschaft Gottes. Und zu solch einem Kreuz fordert Jesus seine Jünger, fordert Jesus uns auf.

Was heißt es also, ihm nachzufolgen in dieser unserer Welt? Am Wort Gottes festzuhalten? Das kann Kreuz werden, weil eine solche Haltung unweigerlich in Widerspruch zu so manchen Realitäten steht. Betrachten wir noch einmal dieses Bild! Und stellen wir uns die Frage: Was ist denn mein Kreuz? Wo setze ich mich ein, damit auch in dieser Zeit dem Willen Gottes entsprochen wird? Wieviel Ungerechtigkeit prägt unsere Welt! Wie viele Menschen leiden heute unter Unterdrückung, Missachtung und Bedrohung an Leib und Seele! Heißt das Kreuz auf sich zu nehmen nicht, bewusst gegen Missstände aufzutreten? Heißt es nicht, sich auch auf politischer Ebene für eine gerechtere Welt einzusetzen? Wir stehen vor entscheidenden Wahlen – sollten wir nicht versuchen, die Macht so zu lenken, dass nicht Wirtschaftswachstum oder Finanzen bestimmen, sondern der Mensch in seiner Würde? Liegt es nicht an uns, dass wir unseren Teil dazu beitragen, dass Menschen zueinander finden anstelle sich zu bekriegen und zu vernichten?

Ich weiß, dass das herausfordernd ist. Es fordert uns heraus, unsere Lebenshaltung zu überdenken und in der Nachfolge Jesu zu handeln. Dass man dabei sein Leben verlieren kann, ist eine Realität, die uns schon die erste Lesung vor Augen geführt hat. Zwar ist dies in unseren Ländern derzeit nicht gegeben. Doch gibt es auch heute noch Christinnen und Christen, die ihr Leben lassen um des Kreuzes willen.

Umso mehr ist es unser Auftrag, die Gedanken dieser Zeit zu durchkreuzen. Mit unserem Denken, Reden und Handeln. Das weiterzutragen, was Gott in Jesus begonnen hat: die Welt mit Gott zu versöhnen in Christus. Wie oft am Tag machen wir das Kreuzzeichen? Sollten wir es nicht wieder bewusster machen? Sollten wir nicht mit unserem Leben die Gedanken dieser Zeit durchkreuzen? Der heilige Augustinus meinte: Viele machen das Kreuzzeichen auf die Stirn, ohne sich um den Sinn zu kümmern. Gott will Täter seiner Zeichen, nicht Maler. Trägst du auf der Stirn das Zeichen Christi, so trage im Herzen die Nachahmung Christi.

Dominikaner und ihre Novizen

Die Predigerbrüder, wie die Dominikaner ursprünglich hießen, wurden 1216 gegründet. Anlass für Dominikus war die Begegnung mit den Irrlehren seiner Zeit. Es lag ihm am Herzen, durch gut ausgebildete Brüder wahren Glauben zu lehren, um Menschen neue Gottesbegegnungen zu ermöglichen. Leitwort des Ordens ist „contemplari et contemplata aliis tradere“ – Betrachten, und das in der Betrachtung Erfahrene weiterzugeben. So prägten viele Heilige, Gelehrte und Mystiker den Weg des Ordens wie Thomas von Aquin, Albertus Magnus, Meister Ekkehart oder Katharina von Siena.
Der Wiener Konvent ist der einzige Dominikanerkonvent in Österreich. Sein Nachwuchs besteht derzeit aus 4 Studentenfratres und 4 Novizen.

Weitere ORF-Übertragung aus der Dominikanerkirche

„Seid heilig und vollkommen!“

Aktualitäten im Orden

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Kontakt

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Redaktion und Bildregie

Thomas Bogensberger