Franz von Assisi

Gründer der Franziskanerorden

Das 13. Jahrhundert, mitten in der Kreuzzugsbewegung, war eine Zeit schwer überblickbarer politischer Unruhen. Franz (1182 bis 1226), Sohn des reichen Tuchhändlers Pietro Bernadone in Assisi, wurde nach seiner Geburt 1182 auf den Namen Johannes getauft; umstritten ist, wieso er als Franz in die Geschichte eingegangen ist. Er wurde, obwohl selbst kein Aristokrat, der Mittelpunkt der „High Society“ der Stadt und verbrachte seine Zeit mit Festen und Gelagen. Er begleitete seinen Vater auf Geschäftsreisen und liebte Ritterromane und Liebespoesie.

Kirchenfenster mit Franz von Assisi
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Ein Kirchfenster mit einem Bildnis von Franz von Assisi

Als junger Mann beteiligte er sich an den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen mittelitalienischen Städten. 1200 riefen die Bürger von Assisi die Republik aus, um sich selbständig zu machen, wurden aber schon 1202 von einem Heer aus Perugia vernichtend geschlagen. Einer der Gefangenen nach dieser Schlacht war Franz.

Überdruss am mondänen Leben und Ordensgründung

Wieder in Freiheit hatte Franz das mondäne Leben satt. Eine langwierige Krankheit und mehrere Visionen eröffneten ihm einen anderen Lebensweg. Er pflegte Aussätzige und verkaufte Tuchrollen seines Vaters zum Wiederaufbau der kleinen Kirche San Damiano. Der darauffolgende Konflikt mit seinem Vater endete mit einem Eklat: Franz riss sich in aller Öffentlichkeit die Kleider vom Leib und warf sie seinem Vater vor die Füße. Der Bischof von Assisi soll ihn daraufhin mit seinem Mantel geschützt haben.

Das Beispiel strahlte aus und Franz konnte viele Brüder um sich sammeln. 1210 wanderte er mit ihnen nach Rom. Papst Innozenz III. (1198 bis 1216) hatte Bedenken gegen die erbetene Ordensgründung. In der Nacht nach der Audienz träumte dem Papst aber, wie Franz die einstürzende Lateranbasilika stützt. Der Traum motivierte den Papst, den neuen Bettelorden zu genehmigen.

Clarissenorden für Frauen, Orden für Laien

Der Orden wuchs und auch Frauen wollten den Weg des Franz von Assisi gehen. Clara Offreduccio (1193 bis 1253), eine junge Aristokratin aus Assisi wurde mit Franz’ Hilfe Gründerin und Vorsteherin des Ordens der Clarissen. Ein Dritter Orden wurde für Laien eingerichtet, die im Rahmen ihrer Arbeit und ihrer Familien nach den Idealen der Franziskaner leben wollten. Alle Orden lehnen das Tragen von Waffen ab, engagieren sich in der Predigt und sehen Armen- und Krankenfürsorge als ihr wichtigstes Arbeitsgebiet an.

Der Franziskanerorden verbreitete sich rasch und kam zunehmend in organisatorische Schwierigkeiten. Erst 1220 wurde ein Noviziat eingeführt, damit neu eingetreten Brüder sich selbst, und der Orden sie auf ihre Eignung prüfen konnten. Die autonom veranstalteten Predigtreisen fielen unter eine zentrale Kontrolle. 1223 wurde eine überarbeitete Ordensregel approbiert.

Predigtreisen bis in muslimische Länder

Franz selbst versuchte in mehreren Reisen ins muslimische Nordafrika vorzudringen; er war von der Überzeugung durchdrungen, dass die Muslime bekehrt werden konnten. Beim Kreuzzug von Damiette gelang es ihm 1221, vor dem Ägyptischen Sultan zu predigen. Niemand bekehrte sich, und Franz musste die Aussichtlosigkeit seines Vorhabens einsehen. Der Orden hatte sich unterdessen schon in ganz Europa ausgebreitet.

1224 erlebt Franz die Stigmatisierung: Auf seinen Händen zeigten sich die Wundmale Christi. 1225 dichtet er seinen „Sonnengesang“. Am 3. Oktober 1226 starb Franz von Assisi in seiner Heimatstadt. Eine Sammlung von Geschichten und Legenden aus seinem Leben stammt aus dem 14. Jahrhundert. Ohne historisch zu sein, vermitteln die Texte etwas von der ursprünglichen franziskanischen Spiritualität.

Franziskaner heute

Die Franziskanische Bewegung teilte sich nach verschiedenen Reformversuchen im 16. Jahrhundert in die Minoriten (1517) und die Kapuziner (1528). Heute gibt es etwa 4.500 Minoriten, 10.500 Kapuziner und über 14.000 Franziskaner weltweit. Sie arbeiten seit 2005 in eine „Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft“ (INFAG) zusammen.

Übersichtsartikel zum Christentum

Siehe dazu auch im ORF-Religionslexikon:

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