Wie umgehen mit der Schuld?

Themen: Das Jugendgebetbuch „Oremus“; Die katholische Kirche Österreichs nach 1945; Porträt von Rabbiner Abraham Skorka; Bibelessay von Michael Bünker

Steinalt und brandneu – Das Jugendgebetbuch „Oremus“

„Freu dich über das, was du bist, hast und kannst. Sei nicht begierig nach dem, was dir fehlt. Vergleich dich nicht mit anderen“ oder „Flirte nicht mit jemandem, um dein Selbstwertgefühl zu stärken.“ Leitsätze wie diese findet man im benediktinischen Jugendbrevier „Oremus“, das lateinische Wort bedeutet etwa „Beten wir!“. Das Gebetbuch wurde in Zusammenarbeit von Benediktinern und Jugendlichen gemeinsam entwickelt, gestaltet und publiziert. Im Redaktionsteam waren neben Abt Ambros Ebhard und Pater Bernhard Eckerstorfer auch sechs Jugendliche. – Gestaltung: Adriana Thunhart

Wie umgehen mit der Schuld? – Die katholische Kirche Österreichs und die Nazis nach 1945

Am 8. Mai 1945 ist in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen, der Nationalsozialismus war besiegt. Aber seine Nachwirkungen dauerten noch lange fort. Nicht nur waren Millionen Menschen infolge der Kampfhandlungen gestorben, ebenso sind Millionen verfolgt, vertrieben oder ermordet worden. Auch die Tatsache, dass unzählige Männer und Frauen, ob offen oder heimlich, der Naziideologie zugestimmt und an den Verbrechen mitgewirkt oder sie gutgeheißen hatten, war eine Riesenlast. Denn diese Menschen waren Teil der deutschen und österreichischen Bevölkerung und es stellte sich die Frage, ob mit ihnen sozusagen „Staat zu machen“ sei.

Lebenskunst
Sonntag, 6.5.2018, 7.05 Uhr, Ö1

Eine wichtige Akteurin in diesen Neuanfangsbestrebungen war die katholische Kirche, deren diesbezügliche Geschichte in Österreich in den Jahren nach 1945 in einem bemerkenswerten Buch wissenschaftlich aufgearbeitet worden ist, das die ORF-Journalistin Eva Maria Kaiser verfasst hat: „Hitlers Jünger und Gottes Hirten - Der Einsatz der katholischen Bischöfe Österreichs für ehemalige Nationalsozialisten nach 1945“. - Martin Gross

Der Freund des Papstes – Rabbiner Abraham Skorka aus Buenos Aires

In Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires leitet Rabbiner Abraham Skorka eine jüdische Gemeinde, das lateinamerikanische Rabbinerseminar und engagiert sich im Kampf gegen Antisemitismus. Dabei pflegt er eine ganz besondere Freundschaft zu einem anderen Argentinier: zu Papst Franziskus. Dieses Bündnis geht zurück auf die Zeit, als Franziskus als Kardinal Jorge Mario Bergoglio Erzbischof von Buenos Aires war. Gemeinsam haben der Kardinal und der Rabbiner den christlich-jüdischen Dialog gepflegt und sind gegen Antisemitismus aufgetreten. Bis heute verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft, die auch immer wieder um das Thema Fußball kreist. Julia Wötzinger mit einem Porträt über Rabbiner Abaraham Skorka aus Argentinien.

Eine Predigt aus dem Gefängnis – Bibelessay zu Kolosserbrief 4, 2 - 6

Kolossä, die Stadt der kolossalen, der „hohen Säulen“, gibt es nicht mehr. Die Stadt lag in der heutigen Westtürkei an der Handelsstraße nach Ephesus. Der Apostel Paulus war in der Gegend, ziemlich sicher in Ephesus, vielleicht auch in Kolossä. In beiden Städten entstanden christliche Gemeinden. An beide sind im Neuen Testament Briefe erhalten, die der Überlieferung nach von Paulus selbst stammen. Er saß zur Zeit der tradierten Abfassung, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts, irgendwo im Gefängnis und bat die Christinnen und Christen in Kolossä, dass sie für seine Freilassung beten mögen. Wahrscheinlich stammen einige Briefpassagen von Mitarbeitern des Paulus und nicht von ihm selbst, darüber gibt es eine hitzig geführte Diskussion in Fachkreisen. Gedanken zu der theologischen Botschaft des Kolosserbriefs kommen von Michael Bünker, dem evangelisch-lutherischen Bischof von Österreich.

Bibelessay zu Kolosserbrief 4, 2 - 6

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 6.5.2018 zum Nachhören:

Buchhinweise: