Schüller: Kompetenzen „weg von zölibatären Männern“

Im Rahmen eines Treffens internationaler römisch-katholischer Pfarrer-Initiativen und Reformgruppen hat Helmut Schüller eine Machtverteilung „weg von zölibatären Männern hin zu den Frauen“ gefordert.

Zum zweiten Mal kamen die internationalen römisch-katholischen Pfarrer-Initiativen und Reformgruppen zusammen. Im Fokus der viertägigen Konferenz in Limerick in Irland standen laut einer Aussendung vor allem die Fragen einer dezentraleren und partizipativeren Kirchenstruktur zur Stärkung der Ortskirche sowie die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche.

Anwesend waren bei dem Treffen in der vergangenen Woche mehr als 30 römisch-katholische Priester, Katholiken aus den Vereinigten Staaten, Indien, Australien, Großbritannien, Irland, Italien und der Slowakei. Auch die Pfarrer-Initiativen aus Österreich und der Schweiz, die das Netzwerk 2013 ins Leben gerufen haben, die deutsche Pfarrer-Initiative sowie internationale Vertreter von „IMWAC - Wir sind Kirche“ nahmen teil.

Helmut Schüller
APA/Herbert Pfarrhofer
Helmut Schüller

Schüller: „Weg von zölibatären Männern“

In ihrem zentralen Anliegen seien sich die Reformer einig gewesen, heißt es in der Aussendung. „Für die Zukunft unserer Kirche brauchen wir lebendige Gemeinden. Gemeinden, die jeden einladen – ohne Ausnahme. Das geht nur, wenn wir Leitungskompetenzen neu verteilen: weg vom Vatikan hin zu den Pfarrgemeinden und weg von zölibatären Männern hin zu den Frauen. Wie sonst soll sich Papst Franziskus’ Vision einer Kirche als echte Weggefährtin, nahe bei den Menschen, verwirklichen?“, fasste Helmut Schüller von der österreichischen Pfarrer-Initiative die Besorgnis der internationalen Reformer zusammen.

Beteiligung von an den Rand gestellten Menschen

Einigkeit herrschte auch darüber, dass zu einer Kirche, die den Menschen in Respekt und auf Augenhöhe verbunden ist, eine Rechenschaftspflicht für alle Glieder der kirchlichen Hierarchie gehört sowie verfasste Grundrechte, die allen Kirchenmitgliedern eine echte Beteiligung am kirchlichen Leben gewährleisten.

Mit Blick auf die Familien-Synode im Herbst forderten die Reformgruppen eine ernst gemeinte Beteiligung von LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender), Geschiedenen und Wiederverheirateten, Alleinerziehenden und anderen von der römisch-katholischen Kirche an den Rand gestellten Menschen.

Neuerliche Forderung nach weiblichen Priestern

Die Konferenzteilnehmer sprachen auch im Detail über die Diskriminierung von Frauen in ihrer Kirche. Im Rahmen einer „sehr offenen und ehrlichen Diskussion wurde überdeutlich, wie groß der Schmerz über den Ausschluss von Frauen aus Leitungsfunktionen und vom Priesteramt bei allen Beteiligten ist“, heißt es dazu in der Aussendung. „Hier werden Gräben gerissen, die unser gesamtes Kirchenleben beeinflussen“, erklärte Deborah Rose-Milavec von der US-amerikanischen Reformorganisation „Future Church“.

Trotz des gemeinsamen Wunsches wurde der Aussendung zufolge aber aus Angst vor Repressalien durch die jeweiligen Bischöfe, auf eine Eucharistiefeier, die von Männern und Frauen zelebriert werden sollte, verzichtet. Ein solcher Gottesdienst hätte „die fundamental gleiche Würde von Mann und Frau durch eine entsprechende Verteilung der gottesdienstlichen (Leitungs-)Aufgaben zum Ausdruck gebracht“, so die Aussendung der Organisationen. Dieser „schmerzliche Verzicht“ habe den Anwesenden die Dringlichkeit, Gläubigen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern - unabhängig von ihrem Geschlecht - zu ermöglichen, verdeutlicht.

Weiterarbeit in Kleingruppen

Auf der Agenda standen auch soziale und ökonomische Themen. Die Teilnehmer verpflichteten sich, in verschiedenen Arbeitsgruppen an einzelnen Themen weiterzuarbeiten.

Die internationale Konferenz in Irland war die zweite dieser Art; sie knüpfte an das Auftakttreffen des Reform-Netzwerks im Oktober 2013 in Bregenz an, das auf Einladung der österreichischen und Schweizer Pfarrer-Initiativen stattfand. Damals seien „katholische Priester und KirchenbürgerInnen aus sechs Ländern“ vertreten gewesen. Zwischen der irischen „Association of Catholic Priests“ und der österreichischen Pfarrer-Initiative besteht bereits seit fünf Jahren ein intensiver Austausch.

Die Konferenz endete mit dem Aufruf an die Bischöfe, die Vision des Papstes für eine erneuerte Kirche „mutig und öffentlich“ zu unterstützen. Gastgeber Tony Flannery von der irischen „Association of Catholic Priests“ (ACP) sagte, „die Wahl von Papst Franziskus ist für lange Zeit unsere beste Chance für eine Erneuerung der Kirche“.

religion.ORF.at

Links: