F: Vatikan entsetzt über tödliche Geiselnahme in Kirche

Papst Franziskus sowie der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, haben nach der Ermordung eines Priesters in einer katholischen Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie bei Rouen ihr Entsetzen bekundet und zum Gebet aufgerufen.

Der Papst habe seine radikalste Verurteilung jeglicher Form von Hass ausgedrückt und bete für die betroffenen Personen, erklärte der vatikanische Pressesprecher Federico Lombardi in einer Aussendung. „Wir sind von dieser Tat besonders entsetzt, weil sie in einer Kirche verübt worden ist, einem heiligen Ort, in dem die Liebe Gottes verkündet wird. Wir sind der Kirche in Frankreich, der Erzdiözese von Rouen, der betroffenen Gemeinschaft und dem französischen Volk nahe“, schrieb Lombardi.

Der Mord an dem Priester Jacques Hamel sei eine „neue schreckliche Nachricht“ nach einer Serie von Gewalttaten, welche die Welt erschüttert und tiefes Leid sowie Sorge verursacht haben, so der Vatikan-Sprecher.

Ordensschwester als Augenzeugin

Eine Ordensschwester hat Agenturberichten zufolge die Geiselnahme in der nordfranzösischen Kirche miterlebt und die dramatischen Szenen geschildert. „Als ich sie habe reinkommen sehen, habe ich mir gesagt: ‚Das war’s, es ist zu Ende“, sagte Schwester Danielle, die während der Geiselnahme entkommen konnte, am Dienstag dem Fernsehsender France 2.

Der französische Priester Jacques Hamel
AP/Cindy Aubree
Der ermordete französische Priester Jacques Hamel (Video-Standbild)

Der Priester sei vor dem Altar gestanden, als die beiden Männer in die Saint-Etienne-Kirche im nahe Rouen gelegenen Saint-Etienne-du-Rouvray eingedrungen seien. „Sie haben ihn gezwungen, auf die Knie zu gehen und sich nicht mehr zu bewegen“, sagte Schwester Danielle. „Als wir das Messer in der rechten Hand (eines Angreifers) gesehen haben, habe ich mir gesagt: ’Ok, es ist sicher, dass jetzt etwas passieren wird.‘“

Angreifer sollen Tat aufgezeichnet haben

In der Kirche hätten die Menschen geschrien: „Hört auf, ihr wisst nicht, was ihr tut, hört auf, hört auf“, berichtete die Schwester im Radiosender RMC. „Er hat versucht, sich zu wehren“, sagte sie mit Blick auf den 85 Jahre alten Priester Hamel. Er habe aber keine Chance gehabt. Die Männer hätten sich auf Arabisch an die Geiseln gewandt. „Sie haben am Alter so eine Art Predigt auf Arabisch gehalten“, sagte die Schwester: „Es ist ein Horror.“ Außerdem hätten die Angreifer ihre Tat aufgezeichnet.

Schwester Danielle selbst haben fliehen können, bevor der Priester ermordet wurde: „Ich habe reagiert, als er Jacques angegriffen hat, ihn auf die Knie gezwungen und fast zu Fall gebracht hat. Da bin ich geflohen, ich bin schnell raus. Er (einer der Angreifer) war mit dem Messer beschäftigt, er hat mich nicht rausgehen sehen.“ Die Schwester hielt schließlich einen Autofahrer an, der die Polizei alarmierte. Bei der Attacke wurden der Priester getötet und eine weitere Geisel schwer verletzt. Die eintreffende Polizei erschoss die beiden Angreifer, die sich zur Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) bekannten.

„Keine Waffe als das Gebet“

Der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, rief nach dem Überfall in seiner Diözese zum Gebet auf. „Die katholische Kirche kann keine anderen Waffen ergreifen als das Gebet und die Brüderlichkeit unter den Menschen“, sagte Lebrun der katholischen Zeitung „Famillle Chretienne“.

Die Nachricht von der Bluttat habe ihn erreicht, als er gemeinsam mit jugendlichen Gläubigen das Grab des unter dem kommunistischen Regime in Polen ermordeten Priesters Jerzy Popielusko besucht habe, berichtete Lebrun. Er werde noch am Abend in der Pfarre Saint-Etienne du Rouvray eintreffen, um der Pfarrgemeinde beizustehen. „Ich lasse hier Hunderte Jugendliche zurück, die die Zukunft der Menschheit sind“, betonte der Bischof. „Ich fordere sie auf, angesichts der Gewalt nicht den Mut zu verlieren und zu Aposteln einer Zivilisation der Liebe zu werden.“

Hollande will Treffen der Religionen

Der Bischof von Pontoise, Stanislas Lalanne, sagte France TV Info, die Kirche sei ein Ort des Friedens und der Brüderlichkeit. „Es ist nicht möglich, nicht akzeptabel im Namen Gottes zu töten“, so Lalanne. Auch zahlreiche weitere Geistliche und Politiker in Frankreich und weltweit zeigten sich entsetzt über die brutale Geiselnahme.

Frankreichs Präsident Francois Hollande sprach am Dienstag von Verbindungen der Täter zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), ohne Details zu nennen. Bei einer Ansprache in Saint-Etienne-du-Rouvray am Mittag sicherte er allen Katholiken in Frankreich seine Rückendeckung zu. Zudem kündigte er an, am Mittwoch Vertreter aller Glaubensrichtungen treffen zu wollen.

Das Attentat habe alle Franzosen getroffen. Mehr denn je müsse die Nation nun zusammenstehen, so Hollande. Ministerpräsident Manuel Valls verurteilte über den Kurznachrichtendienst Twitter den „barbarischen Angriff“. „Ganz Frankreich und alle Katholiken sind getroffen. Wir werden uns dagegen vereinen.“

religion.ORF.at/KAP/APA

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