Anschlag: Glaubensvertreter fordern mehr Schutz

Nach dem tödlichen Anschlag auf eine Kirche in Nordfrankreich haben Religionsvertreter am Mittwoch einen besseren Schutz von Kirchen, Moscheen und Synagogen gefordert. Auch Kardinal Christoph Schönborn meldete sich nach der Tat zu Wort.

Als Reaktion auf die Attacke auf eine katholische Kirche hatte Frankreichs Präsident Francois Hollande die Vertreter von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche sowie von Islam, Judentum und Buddhismus Mittwochfrüh in den Elysee-Palast eingeladen. Anschließend versammelte er sein Sicherheitskabinett zu einem Treffen, um über die Folgen des Anschlags zu beraten.

Frankreichs Glaubensvertreter nach einem Treffen mit Präsident Francois Hollande vor dem Elysee-Palast
APA/AFP/Bertrand Guay
V. l. n. r.: Oberrabbiner Rabbi Haim Korsia, Chef des Zentralrats der Juden, Joel Mergui, Buddhisten-Präsident Olivier Reigen Wang-Genh, Protestantenvertreter Francois Clavairoly, der Rektor der Großen Moschee in Paris, Dalil Boubakeur, der Generalvikar der griechischen orthodoxen Gemeinde, Grigorios Ioannidis General, Kardinal Andre Vingt-Trois und Muslimevertreter Ahmet Ogras

Jeder Treffpunkt von Gläubigen Ziel

„Wir haben alle den großen Wunsch geäußert, dass für unsere Kultstätten größere Achtsamkeit gilt“, sagte der Rektor der Großen Moschee in Paris, Dalil Boubakeur, nach dem Treffen mit Hollande. Der Anschlag auf die Kirche in der nahe Rouen gelegenen Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray von Dienstag zeige, dass jeder Treffpunkt von Gläubigen zum Ziel eines Angriffs werden könne, fügte Boubakeur hinzu.

Der Pariser Erzbischof und Kardinal Andre Vingt-Trois rief die Gläubigen dazu auf, nicht dem Kalkül der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu folgen. „Wir dürfen uns nicht ins politische Spiel des IS hineinziehen lassen, die die Kinder derselben Familie gegeneinander aufbringen wollen“, sagte er am Mittwoch in Paris. „Die besonders harmonischen Beziehungen, die in Frankreich zwischen unseren verschiedenen Religionen bestehen, sind eine wichtige Ressource für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“

Oberrabbiner: Mehr tun gegen Terrorismus

Frankreichs Oberrabbiner Haim Korsia forderte von der Regierung mehr Anstrengungen gegen den Terrorismus. Angesichts der steigenden Zahl von Anschlägen müssten die Sicherheitsmaßnahmen angepasst werden, sagte er.

Polizisten bewachen die Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie nach einem Terroranschlag
AP/Francois Mori
Polizisten bewachen die Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray

Bei dem Angriff während eines Gottesdienstes hatten zwei Männer einen Priester vor dem Altar einer katholischen Kirche mit einem Schnitt durch die Kehle getötet und einen Gottesdienstbesucher schwer verletzt, bevor sie erschossen wurden. Am Abend hatte Hollande bereits den Erzbischof von Rouen empfangen und mit Papst Franziskus telefoniert. Die zwei Angreifer hatten während der Morgenmesse fünf Geiseln genommen und den Priester ermordet. Nach Angaben Hollandes beriefen sich die Täter auf den IS.

Schönborn: „Kreislauf des Hasses durchbrechen“

Auch Österreichs Kardinal Christoph Schönborn meldete sich nach dem Terroranschlag gegen Rache und Gegenschläge zu Wort. In einem Interview für die ORF-Sendung „Orientierung“ sagte der Wiener Erzbischof am Dienstag am Rande des Weltjugendtages im polnischen Krakau, er wisse noch keine Details über die Tat.

„Ich weiß nur eines: Gegen diese Art von Krieg gibt es für mich als Christ keine andere Antwort als jene, die Jesus selber gegeben hat. Es wird nicht helfen, wenn man wieder mit Rache reagiert.“ Es gelte vielmehr den „Kreislauf des Hasses zu durchbrechen“.

„Nur noch mehr Verhärtung“

Noch mehr Gegenschläge würden nur „noch mehr Verhärtung bringen“, sagte Schönborn. Es gehe darum, nach dem Beispiel Jesu die Herzen potenzieller Täter zu erreichen. Jesus habe mit seiner gewaltfreien Frohbotschaft „schließlich die Hartherzigsten bewogen umzudenken, ihr Leben zu ändern“. Was könne man sich mehr wünschen, als dass die IS-Fanatiker, großteils junge Menschen, „etwas anderes als den Hass und blinde brutale Gewalt kennenlernen?“, so der Kardinal. Das gehe freilich nicht, „wenn wir mit denselben Waffen zurückschlagen“.

Die Antwort des Evangeliums sei eine große Herausforderung, betonte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz - „aber wahrscheinlich die einzige, die wirklich Hoffnung gibt, weil sie den Kreislauf des Hasses durchbrechen würde. Anders geht’s nicht.“

Aufruf zum Fasten

Die französischen Bischöfe riefen alle Katholiken des Landes zu einem Sonntag des Fastens und Gebets auf. Das gab der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Olivier Ribadeau Dumas, am Dienstag in Krakau beim 31. Weltjugendtag bekannt. Er mahnte zugleich, Hass und Gewalt dürften nun nicht die Oberhand gewinnen. Auch nach der Mordtat dürfe es nicht zu Fremdenfeindlichkeit kommen: „Wir müssen Verdächtigungen gegen unsere Nachbarn zurückweisen“, so Dumas.

Franziskus sowie der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, bekundeten am Dienstag nach der Bluttat in der Normandie ihr Entsetzen und riefen zum Gebet auf. Der Papst habe seine radikalste Verurteilung jeglicher Form von Hass ausgedrückt und bete für die betroffenen Personen, so der vatikanische Pressesprecher Federico Lombardi in einer Aussendung.

religion.ORF.at/KAP

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