Stift Klosterneuburg zeigt „Römerlager Arrianis“

Wo heute das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg steht, befand sich in der Antike das Römerlager Arrianis, das Teil des Donaulimes war. Das Stift widmet sich den Funden in seiner Jahresausstellung.

Der Limes (lat. Grenze, Grenzwall) im niederösterreichischen Klosterneuburg war ein Teil der nördlichen Grenze des Römischen Reiches und hinterließ reiche Bodenfunde. So auch Grabsteine, anhand derer sich heute die Geschichte ihres Kulturkreises nachvollziehen lassen und die auch einen zentralen Teil der Ausstellung „Römerlager Arrianis“ bilden.

Grabstele einer Römer-Familie im Römerlager Arrianis unter dem Stift Klosterneuburg
Michael Himml
Grabstele einer römischen Familie im ehemaligen Römerlager Arrianis

„Über vier Jahrhunderte hinweg erstreckte sich hier entlang der Donau die nördliche Grenze des Römischen Reiches und hinterließ reiche Bodenfunde, wie auch etliche Grabsteine, die interessante Einblicke in das Leben im Militärlager und der Zivilsiedlung ermöglichen“, so das Stift in einer Aussendung.

Mauerbau als Anfang vom Ende

Wie aus einem Geschichtsbuch ließen sich Verwandtschaften, Werdegänge und die wirtschaftliche Lage aus den Grabsteinen herauslesen. „Das römische Reich zeigte zum ersten Mal Schwäche, als es seine Grenzen befestigte und Mauern baute. Es konnte den Wert seiner Zivilisation nicht mehr erfolgreich projizieren und war zu weit ausgedehnt, um sein Gebiet zu kontrollieren“, so der Pressetext zur Ausstellung.

Ausstellungshinweis

Römerlager Arrianis – Der Limes in Klosterneuburg: 17. März - 18. November 2018

Der Zusammenbruch aber sei von innen erfolgt, mit den „Soldatenkaisern“, die sich nur noch an der Macht bereichern hätten wollen. Hier sei es erlaubt, Parallelen zu ziehen, so der Historiker und Festredner Phillip Blom: „Wer heute Mauern bauen und Grenzen ziehen will, sollte gut nachdenken, was da eigentlich abgegrenzt und verteidigt wird.“

Römerlager Arrianis unter dem Stift Klosterneuburg
Michael Himml
Begehbarer Teil der Grabung unter dem Stift

„Archäologie zum Anfassen“

Auch wenn heute über der Erde kein aufgehendes Mauerwerk mehr zu sehen ist, so gibt eine begehbare Grabung unter dem Kreuzgang interessante Einblicke, wodurch - laut den Angaben erstmals im Stift Klosterneuburg - „Archäologie zum Anfassen“ geboten wird. „Die archäologischen Grabungen sind Teil einer lebendigen wissenschaftlichen Tradition im Stift Klosterneuburg, die bereits im 18. Jahrhundert begann und eine wichtige Quelle für das Verständnis unserer kulturellen Wurzeln darstellt“, so Propst Bernhard Backovsky.

Die Schaugrabung wird durch das Römische Lapidarium des Stiftsmuseums ergänzt, das zahlreiche „ungewöhnlich gut erhaltene“ Grabsteine beherbergt. Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist ein seltenes Militärdiplom. Die Dokumentation der Arbeit der Archäologen und die Präsentation neuester Grabungsergebnisse runden die Schau ab.

religion.ORF.at

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