Selten gespielte Festorgel in Klosterneuburg zu hören

Die Festorgel in der Stiftsbasilika Klosterneuburg gilt als größte und bedeutendste Denkmalorgel Mitteleuropas. Im Rahmen eines der seltenen Konzerte kann man am Sonntag ihren besonderen Klang hören.

Eine Denkmalorgel ist eine historische Orgel von überregionaler Bedeutung, sie gilt als Kulturgut und benötigt eine besonders umsichtige Behandlung. Das Programm des Orgelkonzerts am 29. April bringe Werke von Komponisten aus dem deutschen bzw. süddeutschen Raum, so eine Aussendung des Stifts Klosterneuburg vom Dienstag.

Neben Kompositionen von J. Buchner und Michael Praetorius aus dem 16./17. Jahrhundert werden Werke von Johann Jakob Froberger, Georg Muffat und Johann Pachelbel aus Mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts erklingen. „Die Werke aus dieser Epoche lassen sich auf der historischen Festorgel des Stiftes Klosterneuburg ausgezeichnet interpretieren“, verspricht das Stift.

Festorgel der Stiftsbasilika Klosterneuburg über dem Haupteingang (1642)
Stift Klosterneuburg/Hannes Sallmutter
Die Festorgel im Stift Klosterneuburg

Orgel aus dem 17. Jahrhundert

Die Festorgel der Stiftsbasilika wurde in den Jahren 1636 bis 1642 aus zwei bereits in der Kirche vorhandenen Orgeln von dem Passauer Orgelbauer Johannes Freundt zusammengebaut. Dadurch konnte Freundt aus zwei Orgeln jeweils das beste Material auswählen (die Festorgel besitzt zum Beispiel keine Holzpfeifen).

Ihrer Funktion entsprechend sollte sie hauptsächlich solistisch erklingen, so die Aussendung, für die Begleitung hatte man die Chororgel zur Verfügung. Der solistische Einsatz ist wohl auch der Grund dafür, dass bei ihr während der letzten Jahrhunderte keine schwerwiegenden Eingriffe, weder im Pfeifenmaterial noch in den Laden, gemacht wurden. Somit stehe heute ein „außergewöhnliches Klangdenkmal“ jener Zeit zur Verfügung, so das Stift.

Konzerthinweis

Festorgel-Konzert am Sonntag, 29. April, 15.00 Uhr, Stiftskirche Klosterneuburg, Stiftsplatz 1, 3400 Klosterneuburg

Die Orgel weist laut Beschreibung Merkmale der Renaissance und des Barock auf: „Allein der Hauptwerksprinzipal sucht in seiner Strenge, Mächtigkeit und Klangfarbe seinesgleichen. Das Regal, ein ‚Standardregister‘ der Renaissance, ist noch original erhalten. Dies ist für eine Zungenstimme eine Seltenheit – sie ist daher auch die einzige in Österreich.“ Die Orgel besitzt 35 Register auf drei Manuale und Pedal verteilt - eine Größe, die für damalige Verhältnisse äußerst selten gewesen sei.

Einen Halbton höher

Einige speziellere Details über das exquisite Musikinstrument erfahren Interessierte via Website des Stifts: etwa, dass die Orgel mitteltönig gestimmt ist, „die großen Terzen bestimmter Dur-Tonarten“ also nicht schweben. Außerdem ist ihre Tonhöhe um etwa einen Halbton höher als die heutige Normalstimmung. Diese Tonhöhe entspricht dem süddeutschen Chorton der Entstehungszeit. Eine weitere zeittypische Eigenheit ist die „kurze Oktave“.

„Es fehlen in den Manualen und im Pedal die Töne cis, dis, fis und gis der großen Oktave. Diese tiefen Töne wurden wegen der mitteltönigen Stimmung fast nie verwendet, und man sparte daher die Materialkosten“, erklärt der Aussendungstext des Stifts. „Dieser Umstand und die mitteltönige Stimmung schränken naturgemäß das auf diesem Instrument spielbare Repertoire ein. Unvergleichlich gut aber lassen sich Werke des 16. und 17. Jahrhunderts darauf interpretieren.“

Kampf gegen den Holzwurmfraß

Knapp vor dem Zweiten Weltkrieg stellte man Holzwurmfraß in einigen Teilen fest. Das Instrument wurde demontiert, doch dann begann der Krieg. Nach Ende des Krieges wurde die Orgel nach längeren Beratungen wieder in den Originalzustand gebracht. Weil kein gutes Material für die zu erneuernde Traktur zur Verfügung stand, wurde damals nur ein Provisorium gemacht.

1983/85 konnte die ursprüngliche Trakturführung rekonstruiert werden. Ebenso wurde ihre ursprüngliche Stimmung wiederhergestellt. Offen blieb die Rekonstruktion der Zungenstimmen und der Balganlage. Das wurde 1990 nachgeholt. Dank ihres hervorragenden Klanges stelle die Festorgel heute eine der bedeutendsten europäischen Denkmalorgeln dar, so das Stift. Spielen wird Helmut Lerperger, der seit 1985 als Organist in der Stiftsbasilika Klosterneuburg tätig und seit 1990 als „Regens chori“ für die Gestaltung der Kirchenmusik verantwortlich ist.

religion.ORF.at

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