Toni Faber: Niki Lauda hatte ein „weites Herz“

Betroffen über den Tod von Rennfahrerlegende Niki Lauda hat sich der Wiener Dompfarrer Toni Faber zu Wort gemeldet und an dessen „weites Herz“ erinnert.

Faber habe den am Montag 70-jährig verstorbenen Flugliniengründer, der 2011 wieder in die Kirche eingetreten war, „gekannt und geschätzt“ und in den vergangenen Wochen über Kontakte mit der Familie die immer schlechteren Nachrichten über Laudas Gesundheitszustand mitverfolgt.

Er habe auch für ihn gebetet, erklärte der Hausherr des Stephansdomes am Dienstag auf Anfrage der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress. Ein Begräbnistermin steht derzeit noch nicht fest.

Niki Lauda
APA/Georg Hochmuth
Niki Lauda

Patenschaft für Kinder in Indien

Faber würdigte den dreifachen Formel-1-Weltmeister (1975, 1977, 1984) für dessen Geradlinigkeit und soziales Engagement, mit dem er u.a. ein Patenschaftsprojekt für Kinder in Indien unterstützt habe. „Es war nicht so, dass er zu wenig gehabt hätte für andere, wie man aus einem mit ihm gedrehten Werbespot schließen könnte.“ („Ich habe nichts zu verschenken“).

„Lauda hatte ein weites Herz, für seine Familie, seine Mitstreiter und Mitarbeiter, auch für alle gesellschaftlichen Entwicklungen in Österreich, was soweit ging, dass manche darüber spöttelten, dass er zu jedem und allem etwas sagen konnte“, so Faber.

Hilfsflüge im Ruanda-Krieg

Auf weitere Facetten von Laudas wenig bekanntem sozialen Engagement wies auch der Wiener Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner hin. Lauda habe beim Bürgerkrieg von Ruanda in den 1990er Jahren mit viel persönlichem Einsatz geholfen. „Unerschrocken und auf eigene Kosten pilotierte er eine Lauda-Air-Maschine, vollgepackt mit Hilfsgütern wie Medikamenten und Nahrungsmittel für die von der Caritas betreuten Flüchtlinge“, schrieb Schwertner am Dienstag in seinem Nachruf auf Facebook.

Laudas erster Hilfsflug sei 1994 nach Bujumbura gegangen, die Hauptstadt von Ruandas Nachbarstaat Burundi, 1996 sei Lauda dann direkt nach Ruandas Hauptstadt Kigali geflogen. Als Unternehmer sei der prominente Österreicher „eher auf seinen eigenen Vorteil bedacht“ gewesen, aber seine Hilfsaktion habe er damals mit den Worten begründet: „Wenn man diese Bilder sieht, weiß man, dass es dort um die Ärmsten der Welt geht. Sie haben fast keine Möglichkeit, selber zu überleben, darum müssen wir ihnen helfen“, erinnerte Schwertner in seinem auch von „Vatican News“ aufgegriffenen Eintrag.

Austritt wegen Finanzen und Ordensschwestern

Der Tod des am 22. Februar 1949 in Wien geborenen prominenten Sportlers und Unternehmers kam überraschend. Nach einem Reha-Aufenthalt infolge einer Lungentransplantation im vergangenen Jahr in Wien hatte es offenbar Probleme mit einer seiner beiden Spendernieren gegeben, weshalb er vor rund drei Wochen zur Dialyse in eine Schweizer Privatklink verlegt worden war.

Dompfarrer Toni Faber
Dompfarre.info/Suzy Stöckl
Dompfarrer Toni Faber

Bei Laudas einstigem Kirchenaustritt hätten neben finanziellen Erwägungen auch schlechte Erfahrungen nach seinem tragischem Rennunfall am Nürnburgring am 1. August 1976 mitgespielt, berichtete der Dompfarrer. „Als er im Spital lag und bereits die Krankensalbung bekommen hatte, dachte man, sein Ende sei gekommen, wobei sich geistliche Schwestern nicht wohlwollend über ihn äußerten. Er hat jedoch alles mitbekommen und war zutiefst enttäuscht darüber“, so Faber, der sich über diesen Vorfall „beschämt“ zeigte.

Gespräche über Glauben

Auch wenn Lauda in Folge auf Distanz zur Kirche ging, habe er weiter einen „sehr individuellen Zugang zum Glauben gepflegt und ihn auf seine Weise gelebt“, erklärte Faber, der in diesem Zusammenhang auch an die Geschehnisse rund um den Absturz der Lauda-Air-Maschine „Mozart“ in Thailand im Jahr 1991 mit 223 Toten erinnerte. Lauda bat daraufhin den Wiener Erzbischof Hans-Hermann Groer, dessen Zeremoniär Faber damals war, einen Gottesdienst im Stephansdom für die Verunglückten und für seine Mannschaft zu halten, an dem er auch selbst teilnahm.

Im Zuge der Taufe seiner Zwillingskinder 2011 in der Wiener Peterskirche habe Lauda dann „auch äußerlich die Gemeinschaft mit der Kirche wiedergefunden“, schilderte der Dompfarrer. Gemeinsame Gespräche über den Glauben habe es seither immer wieder gegeben, und regelmäßig sei Lauda im Stephansdom zu sehen gewesen - „nicht in den Gottesdiensten, aber er kam oft, um Kerzen anzuzünden, auch mit seinen Kindern“.

religion.ORF.at/KAP