Kirche nach CoV: Pfarrer setzt auf Laienapostolat

Was kann die Kirche für ihre Seelsorge aus den Erfahrungen der Coronavirus-Krise mitnehmen? Der Wiener Pfarrer und Präses von Kolping-Österreich, Gerald Gump, hat in einem Video zentrale Lehren aus der Krise als Diskussionsgrundlage zusammengefasst.

Ein zentraler Punkt: Viele Innovationen seien von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Pfarre ausgegangen und umgesetzt worden. „Auf wie viel Potenzial verzichten wir in unserer Kirche, weil wir Menschen aus bestimmten Gründen nicht zu kirchlichen Ämtern zulassen“, zeigte sich Gump nachdenklich. Er verwies u.a. auf tägliche Videoimpulse von Ehrenamtlichen in der Fastenzeit.

Gebetsanliegen für Online-Gottesdienste

Eine andere Initiative der von Gump geleiteten Pfarre zur Frohen Botschaft im vierten und fünften Wiener Bezirk: Unter wir-beten.at konnten (und können) die Menschen ganz persönliche Gebetsanliegen posten, die dann in den Online-Gottesdiensten aufgegriffen wurden.

Das Angebot ist laut Gump sehr gut angenommen worden und zeige das große Bedürfnis der Menschen, in einer Gebetsgemeinschaft beheimatete und aufgehoben zu sein.

Die Gottesdienste in der Pfarre sind gestreamt worden, das Angebot wurde gut angenommen; und trotzdem habe sich gezeigt, dass die Messe sehr vom „Miteinander des Feierns“ lebt. Umso größer sei nun also die Freude, dass die Gläubigen wieder zu den Messen kommen können.

Streaming Gottesdienst
ORF/Martin Cargnelli
Die Gottesdienste in der Pfarre sind gestreamt worden

Neu entdeckt bzw. wiederentdeckt worden sei auch die Hauskirche, also das gemeinsame Beten und Gottesdienstfeiern im kleinen familiären Kreis. Das sei für viele Menschen doch noch etwas fremd, so Gump. Religiöses Leben zu Hause kultivieren sei nicht so einfach, „da müssen wir noch vieles fördern“.

Offene Kirchen haben sich bewährt

Besonders wichtig sei es in der vergangenen Zeit allerdings gewesen, dass die Kirchen trotz aller Einschränkungen offen waren bzw. die Öffnungszeiten zum Teil noch ausgeweitet wurden. Gump: „Viele Menschen sind gekommen, zum Gebet, aber auch um einfach nur zu reden.“ Und für diese Gespräche brauche es freilich auch Menschen vor Ort, die dafür zur Verfügung stehen.

Normale Nachbarschaftshilfe habe man in den vergangenen Wochen und Monaten von Seiten der Pfarre kaum anbieten müssen, hier habe es in der Bevölkerung genügend Solidarität gegeben. Sehr viele Menschen hätten aber ein großes Bedürfnis zum Reden gehabt, so Gump.

Viele seien über das Internet nicht erreichbar gewesen, hier habe man auf das Telefon zurückgegriffen. So sei ein großes Netzwerk der Beziehungen entstanden, dass nun auch in der einen oder anderen Form weiter gepflegt werden muss, so Gump: „Wir müssen uns einfach noch viel besser kennenlernen und mehr aufeinander schauen.“

Kirche Sankt Elisabeth Wien Wieden
ORF/Martin Cargnelli
Die Elisabethkirche im vierten Wiener Bezirk

1.600 handgeschriebene Osterkarten verschickt

Im Rahmen der Aktion Ostergruß hätten Freiwillige 1.600 handgeschriebene Osterkarten verschickt. Diese persönlichen Grüße hätten den Adressaten sehr gut getan, es gebe viele positive Rückmeldungen, berichtete der Pfarrer weiter. Freilich seien auch nicht alle Angebote in der Coronazeit gelungen. So manche Online-Gruppe, etwa Bibelrunden, hätten nicht besonders gut funktioniert.

All diese Erfahrungen gelte es nun zu reflektieren und zu fragen, so Gump: „Wo zieht uns Gott hin? Was führen wir weiter, was lassen wir bleiben, was machen wir neu?“

religion.ORF.at/KAP

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