Hexenjagd und „Bis morgen, so Gott will“

Verfolgt, gefoltert, hingerichtet – weil sie angeblich Hexen sind. Dieses Schicksal trifft Tausende – Frauen, Männer, Kinder. Wie konnte es dazu kommen?

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ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 05. Februar 2019
um 22.30 Uhr, ORF 2

„Brennen, bis die Seele frei ist"
In Ravensburg werden an einem Abend im Oktober 1484 zwei junge Frauen zum Scheiterhaufen gebracht. Sie sollen Hexen sein. Die beiden sind rechtskräftig verurteilt – wegen gefährlicher Hexerei und Buhlschaft mit dem Teufel – „zu brennen, bis ihre Seele frei ist“.

Unter der Folter haben die Frauen gestanden. Nun erwartet sie ein grauenvoller Tod. Beide Frauen gehören zu den frühen Opfern einer unheilvollen Entwicklung, die bald ganze Landstriche erfasst – der Hexenverfolgung. In den folgenden 200 Jahren werden über 50.000 Menschen in Europa verfolgt, gefoltert und hingerichtet, weil sie angeblich Hexen sind.

Inquisitor Heinrich Kramer – beseelt und besessen
Befeuert wird die Hexenverfolgung durch den Dominikanermönch Heinrich Kramer – auch Heinrich Institoris genannt – aus Schlettstadt (heute Sélestat) im Elsass. Er ist besessen von der Idee, dass die Hexen Teil einer satanischen Verschwörung sind, und macht es sich zur Lebensaufgabe, sie zu vernichten. Er glaubt, die Hexen hätten sich zusammengeschlossen, um die Welt zu zerstören.

Um die drohende Apokalypse zu verhindern, verfasst Kramer ein Buch, das Anleitung für die Hexenverfolgung in der christlichen Welt werden wird: Malleus Maleficarum – Der Hexenhammer. Es liefert Erklärungen für das Rätselhafte im Alltag der Menschen. Es schildert detailliert, was Hexen tun, wie man Hexen erkennt und wie man ihnen den Prozess macht.

Die Erstauflage erscheint 1486, danach verbreitet sich das Werk dank der neuen Technik des Buchdrucks in rasender Geschwindigkeit über ganz Europa. Trotz öffentlich vorgetragener Kritik nährt Kramers Werk die Angst vor den Hexen, die sich im Zuge der Klimaverschlechterung während der Kleinen Eiszeit ab Mitte des 16. Jahrhunderts zu einer regelrechten Hysterie ausbreitet. Hexen werden nun als Sündenböcke verantwortlich gemacht für Hungersnöte, Naturkatastrophen, Krankheiten, Seuchen oder andere Unglücke. Zehntausende fallen den Hexenprozessen zum Opfer.

Flächenbrand Denunziation
Fast alle, die angezeigt und verhört werden, gestehen unter Folter, Hexen zu sein – und denunzieren auch andere. So entwickelt die Hexenverfolgung eine unaufhaltsame Dynamik. Ganze Familien landen auf dem Scheiterhaufen. In vielen Gemeinden hört die Verfolgung erst auf, als die Hinrichtungswellen zu schweren wirtschaftlichen und sozialen Problemen führen.

Opfer und Täter
Der Film begibt sich auf die Spuren der Täter wie auch der Opfer und zeigt mit Spielszenen aus dem Wirken und Schicksal der Protagonisten, wie aus braven Bürgern Folterknechte und Mörder wurden. Dazu wurden Archive durchforstet und der Lebensweg der vermeintlichen Hexen aus den heute noch verfügbaren Quellen nachgezeichnet. Zitate aus den Urteilen und Protokollen von Hexenprozessen machen nachvollziehbar, wie es zu dieser Hexenhysterie kommen konnte.

Regie: Roland May
ORF-Redaktion: Christoph Guggenberger

Franziskanerinnen in Spanien
ORF/First Hand Films

„Bis morgen, so Gott will“

Ein heiterer Einblick in das Leben einer Gemeinschaft von Franziskanerinnen in Spanien: Filmemacherin Ainara Vera hat die Frauen in ihrem Alltag beobachtet – dabei kommen weder der Humor noch tiefsinnige Gedankenspiele zu kurz.

„Bis morgen, so Gott will“ ist aus dem Wunsch entstanden, das geheimnisvolle weibliche Universum in dem katholischen Konvent zu ergründen. Jedes zweite Kind, das heute in Österreich geboren wird, kann ein Alter jenseits der 100 erreichen, sagen Wissenschafter.

17 Franziskanerinnen, durchwegs mehr als 80 Jahre alt – gemeinsam sind sie sogar mehr als 1.000 Jahre alt. Schon im Morgengrauen beginnt ihr religiöses Leben.

Weltliche Aufgaben wie Putzen oder Nähen nehmen aber genauso viel Platz ein. Die Gespräche der alten Franziskanerinnen drehen sich um biblische Fragen, aber auch um ganz alltägliche Dinge. Seien es die Einschätzungen, ob das Obst schmeckt, oder die Vorbereitungen für ein bevorstehendes Geburtstagsfest.

Eine der Schwestern wird bald 100. Das Altern und der Tod sind ebenso Thema wie banale Begebenheiten oder Erlebtes in der Jugend. Mit einfühlsamen Bildern fängt die Dokumentation die Stimmung im Konvent ein.

Schattige Hallen, in denen Türen auf- und zugehen, wenn die Schwestern sie durchqueren: Regisseurin Ainara Vera passt sich mit ihrer Kameraführung dem kontemplativen, beschaulichen Leben der Franziskanerinnen an – denn sie sind alt geworden.

In jüngeren Jahren waren diese Schwestern in der Welt unterwegs, um Menschen zu helfen. Im Alter ist ihr Wirkungskreis kleiner geworden. Jetzt, wo sie selbst am Ende ihres Lebens stehen, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Wenn sie nicht mehr sind? Werden andere ihren kontemplativen, gemeinnützigen Lebensstil fortführen?

Ein Film von Ainara Vera (deutsche Bearbeitung: Margarita Pribyl)