Vom Traum der Freiheit

Als Christoph Wonneberger im Jahr 1985 Pfarrer in der Leipziger Lukaskirche wird, baut er erstmal ein Kreuz aus Abbruchbalken. Gemeinsam mit jungen Gläubigen umwickelt er es mit Stacheldraht – und schmückt es mit blühenden Zweigen.

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ORF

Sendungshinweis

FeierAbend, Ostermontag, 22.4.2019, 19.52 Uhr, ORF 2

Besser kann man die Situation der Menschen in der DDR in den späten 1980er Jahren kaum darstellen: Repression überall, doch die Hoffnung lebt. Christoph Wonneberger ist eine Stimme dieser Hoffnung.
Was mit einer Bewegung für die Einführung eines waffenlosen Zivildienstes beginnt, mündet bald in gemeinsamen Friedensgebeten, zu denen sich jeden Montagabend vor allem junge Gläubige treffen. Wonneberger erinnert sich: „Die Botschaft war: Lasst euch nicht von der Angst treiben. Fürchtet euch nicht!“ Ausgehend von Dresden, breitet sich Wonnebergers Idee bald über die ganze DDR aus.
Als Wonneberger nach Leipzig kommt, werden die Friedensgebete unter seiner Leitung immer politischer. Wonneberger gilt bald als Staatsfeind. 1988 entzieht ihm die Kirchenführung die Leitung der Gebete. Dennoch gehen sie weiter – und entwickeln sich bis Herbst 1989 zu einer regelrechten Massenbewegung.

Im September 1989 spitzt sich die Lage zu. Bei Zusammenstößen hat es bei Protesten Tote und Verletzte gegeben. Jedes Wort kann die Lage eskalieren lassen. Wonneberger ruft am 25. September in der Leipziger Nikolaikirche zu Gewaltfreiheit auf. Tausende Menschen ziehen friedlich durch die Leipziger Innenstadt: „Die Leute haben plötzlich ihre Angst verloren. Sie haben gemerkt: Es bewegt sich was.“ Aus den Friedensgebeten werden die Montagsdemonstrationen. Sie gehen weiter, bis die Mauer fällt.

Doch mitten im Jubel verstummt Wonneberger. Ein Schlaganfall raubt ihm Bewegungsfreiheit und Sprache. Es dauert 16 Jahre, bis er sich seine persönliche Freiheit zurückerkämpft hat. Die Hoffnung auf eine bessere Welt hat er nicht aufgegeben. 2008 radelt Christoph Wonneberger für den Frieden von Paris nach Moskau. Heuer geht es nach Nordkorea.
Ein Film von Fritz Kalteis
Redaktion: Barbara Krenn