„Ein Teil von uns…..“ – Notre-Dame, mehr als eine Kathedrale

„Ein Teil von uns…..“ – Notre-Dame, mehr als eine Kathedrale | Rückkehr irakischer Christen: Schwieriger Neubeginn nach IS-Terror | Anfang gegen Ende: Ein Altenheim in Myanmar als „zweite Chance“ | Gottesdienste und Protest: Evangelische und der „Karfreitag neu“ | Ganymed in Love: Die Kunst, die Liebe und (auch) die Bibel

Sendungsprofil Orientierung
ORF

am 21.4.2019, 12.30 Uhr, ORF 2
am 23.4.2019, 10.10 Uhr, ORF III und
am 27.4.2019, 11.30 Uhr, ARD ALPHA

„Ein Teil von uns…..“ – Notre-Dame, mehr als eine Kathedrale

Betroffenheit und Solidarität, weit über die Grenzen Frankreichs hinaus, hat der Brand von Notre-Dame de Paris („Unsere Liebe Frau von Paris“) ausgelöst: Die Kathedrale, mit deren Bau im Jahr 1163 begonnen wurde, gilt nicht nur als „Gedächtnis von Paris“, sondern auch als „Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt“ (so der Vatikan) und als wertvolles kulturelles Kulturgut der französischen Nation.

Aber Notre-Dame de Paris ist auch „Urbild der Gotik“ (Kardinal Christoph Schönborn), an ihr bricht und spiegelt sich die Geschichte Frankreichs und Europas. Im späten 18. Jahrhundert – 1793 - wurde sie von den Revolutionären zerstört und „entweiht“, in einen „Tempel der Vernunft“ umgewandelt. Doch schon wenige Jahre später - zu Beginn des 19. Jahrhunderts - ließ sich dort Napoleon Bonaparte zum Kaiser krönen.

Gottesdienste waren wieder erlaubt. Aber im Lauf der Jahrzehnte war der Bau zusehends verfallen. Erst mit der Veröffentlichung des Victor-Hugo-Romans „Der Glöckner von Notre-Dame“ 1831 wurde der Kathedrale wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wichtige Restaurierungsmaßnahmen konnten in Angriff genommen werden. Auch danach behielt sie sowohl für die katholische Kirche als auch für die französische Nation zentrale Bedeutung.

Die Glocken der Kathedrale läuteten anlässlich der Befreiung Frankreichs von Hitlerdeutschland im Jahr 1944. Und: In jüngster Zeit gedachte man in Notre-Dame auch der Opfer islamistischer Terroranschläge. Die „Orientierung“ sprach mit dem Historiker Werner Telesko und dem Pariser Dirigenten und Komponisten Frédéric Chaslin.

Bericht: Klaus Ther, Länge: 7 Minuten

Rückkehr irakischer Christen: Schwieriger Neubeginn nach IS-Terror

Militärisch gilt das selbsternannte Kalifat des IS in Syrien und dem Irak als besiegt. Doch von Frieden möchten vor allem die religiösen Minderheiten im Irak nicht sprechen. So auch in der Ninive-Ebene im Norden des Landes.

Die Geschichte des Christentums hier – in einem Teil der Erde, der auch als „Wiege der Zivilisation“ bezeichnet wird - reicht fast zweitausend Jahre zurück. Eine Geschichte, die nun über einige Jahre hinweg von Bedrohung und Vertreibung gekennzeichnet war. Nur langsam kehren jetzt christliche Familien wieder zurück.

Von einem „zersetzenden Geist des fundamentalistischen Islamischen Staats“ spricht Lara Yousif, die christliche Bürgermeisterin der antiken Stadt Alqosh. Nicht zuletzt deshalb herrsche hier immer noch Angst. Und Sorge begleitet auch die christlichen Rückkehrer in der Kleinstadt Tel Eskof.

Dort sind die Spuren des IS-Terrors, der erst mit der Befreiung durch kurdische Soldaten ein Ende fand, noch überall präsent. Als „Fest der Hoffnung“ will man umso mehr das diesjährige Osterfest feiern, auf das man sich in den vergangenen Wochen vorbereitet hat.

Bericht: Sabine Küper-Büsch, Thomas Büsch; Länge: 7 Minuten

Anfang gegen Ende: Ein Altenheim in Myanmar als „zweite Chance“

Das christliche Osterfest zeigt auch für viele nicht-religiöse Menschen die Spannung zwischen Tod und Leben, zwischen Werden und Vergehen. So auch in einem Altenheim in Myanmar, in der Millionenstadt Rangun.

Die Einrichtung wird von Schwestern der katholischen Ordensgemeinschaft „Sisters of Reparation“ seit mehr als hundert Jahren betrieben und zeigt sich offen für Angehörige aller Glaubensgemeinschaften: Buddhisten, Hindus, Christen und Muslime – alle über 70 Jahre alt, viele von ihnen durch schwere Schicksalsschläge gezeichnet – erleben ein Mit- und Nebeneinander mit all seinen Facetten.

Und auch wenn die Zahl der Katholikinnen und Katholiken im südostasiatischen 53-Millionen-Einwohner-Staat Myanmar bei nur etwa einem Prozent liegt: Den Ordensfrauen scheint es zu gelingen, zentrale Botschaften ihres Glaubens – auch ein hoffnungsvolles „Jeden-Tag-neu-Beginnen“ – immer wieder überzeugend vorzuleben.

Bericht: Marcus Marschalek, Länge: 4 Minuten

Gottesdienste und Protest: Evangelische und der „Karfreitag neu“

Nach der Neuregelung des Karfreitags – bisher war er ein „Extra-Feiertag“ für evangelische und altkatholische Gläubige – müssen nun heuer erstmals evangelische und altkatholische Christinnen und Christen einen Urlaubstag von ihrem Urlaubstagekontingent abzweigen, wenn sie am Karfreitag frei haben wollen.

Den „hohen Feiertag“ – als arbeitsfreien Tag – verloren zu haben, empfinden viele als ungerecht. Das wird wohl auch an diesem Karfreitag Thema in und außerhalb von Gottesdiensten sein. Um Stimmen dazu einzuholen, ist die „Orientierung“ bei Karfreitagsgottesdiensten in Kärnten, dem Burgenland und in Wien dabei.

Zu Wort kommen sollen Bischof Michael Bünker, Superintendent Manfred Sauer, der reformierte Theologe Ulrich Körtner und Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Die evangelischen Kirchen planen darüber hinaus eine Protestkundgebung in der Wiener Dorotheergasse.

“Es geht um christlichen Glauben, um die Relevanz von Spiritualität in und für die Gesellschaft”, begründen die Initiatoren ihren Protest. Unterstützt werden sie dabei von Mitgliedern der jüdischen und der muslimischen Glaubensgemeinschaft und der katholischen Kirche.

Bericht: Marcus Marschalek, Mitarbeit: Marietta Trendl; Länge: 5 Minuten

Ganymed in Love: Die Kunst, die Liebe und (auch) die Bibel

„Man geht durch einen Raum ganz anders, als wenn man sich einfach ins Theater setzt und auf die Bühne schaut,“ so die Regisseurin Jacqueline Kornmüller, die mit ihrer Kunstperformance Ganymed bereits zum sechsten Mal zu Gast im Kunsthistorischen Museum Wien ist.

Diesmal widmet sich Kornmüller dem Thema „Liebe“ und bespielt gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern aus Musik, Tanz und Schauspiel die Gemäldegalerie des Museums.

Denn diese sei, laut Kornmüller, voll von Liebe: der Liebe zum Leben, der Liebe zur Menschlichkeit, der Liebe zur Kunst. Alte Meister werden neu interpretiert und biblische Motive mit aktuellen Bezügen aufgeladen.

Am 25. April ist die Kunstperformance „Ganymed in Love“ übrigens auch im Caritas-Möbellager am Mittersteig in Wien zu sehen, wo Kopien die Originale aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums ersetzen. Der Gesamterlös aus dem Kartenverkauf geht an #wirtun – einen Hilfsfonds der Caritas für Frauen in akuten Notsituationen.

Bericht: Karoline Thaler, Länge: 7 Minuten

Moderation: Sandra Szabo
Redaktionsleitung: Norbert Steidl