„Die Tür im Leben“

Aus der Pfarrkirche Mariä Geburt in Berg im Drautal wurde der Katholische Gottesdienst von ORF2 und ZDF übertragen. Mit der Gemeinde feierte Pfarrer Josef Allmaier.

Hinter verschlossenen Türen haben sie sich versammelt, die Jünger von Jesus, aus Angst vor der Öffentlichkeit. Das war eine Woche, nachdem sie sein leeres Grab gesehen hatten. Doch plötzlich ist Jesus da, tritt in die Mitte und sagt: „Friede sei mit euch!“

Davon berichtet das Evangelium am Sonntag nach Ostern: die Tür im Leben hat keinen Schlüssel, die Begegnung mit Gott ist immer möglich, auch in schwierigen Situationen des Lebens, oder in besonders schönen Momenten - davon ist Pfarrer Josef Allmaier überzeugt.

Und alle wurden geheilt

Lesung: Apg 5,12-16

Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk. Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen. Von den Übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen; aber das Volk schätzte sie hoch. Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt, Scharen von Männern und Frauen. Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Liegen, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel.

Musik

Einzug: Orgelimprovisation

Eröffnung: Der Heiland ist erstanden GL 832

Kyrie: Herr, erbarme dich GL 181

Gloria: Gott in der Höh sei Preis und Ehr GL 172

Halleluja / Psalmvers: GL 175,6

Gabenbereitung: Wir treten alle hier vor deinen Altar aus der Messe „Du bleibst in Ewigkeit“ von Hans-Peter Pöllinger

Sanctus: Heilig, heilig, Hosanna in der Höhe GL 773

Agnus Dei: Lamm Gottes aus der Messe „Du bleibst in Ewigkeit“ von Hans-Peter Pöllinger

Kommunion: Klarinettenjodler / Steirische Aria

Danklied: Halleluja, lasst uns singen GL 837

Auszug: Orgelimprovisation

Musikalische Gestaltung:

Kirchenchor Berg im Drautal,
Klarinettenensemble „Clarion berige“ unter der Leitung von Christof Niedermüller

Musikalische Leitung: Maria Krenn

Orgel: Anton Obernosterer

Auch aus den Städten rings um Jerusalems strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt.

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben

Evangelium: Joh 20,19-31

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst, dem sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt, und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite,
und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,
die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Und dann ist er da!

Predigt

In mir löst der Blick hin zu einer Kirche, deren Eingangsportal einladend offen steht, Wohlbefinden aus. Die offene Pforte signalisiert mir: Ich darf eintreten, ich bin willkommen, ich kann verweilen. Ähnlich spürten es die Jünger bei Jesus. Seiner menschlich offenen Tür durften sie sich immer gewiss sein.
Doch danach, seit diesem schrecklichen Ereignis, da ist für sie wie aus heiterem Himmel alles anders. Der Jubel vom Palmsonntag – längst verklungen. Die finstere Nacht am Ölberg mit den sich überstürzenden Ereignissen am Karfreitag liegt drückend auf ihren Gedanken. Sie haben ihrem Freund gegenüber schmählich versagt. Dann: Auferstehung! Davon hören sie die Frauen reden. Kann man dem Glauben schenken? Wenn doch, dann wäre es verständlich, wenn Jesus jetzt kein Interesse mehr hätte, sich bei ihnen zu melden – seinem engsten Freundeskreis, seinem verschworenen innersten Kern – wie sie sich bisher gerne gesehen haben. Doch spätestens durch die Nachricht Maria Magdalenas ist ihnen klar geworden, welchen Versagens sie sich schuldige gemacht hatten.
Aus ihrem Kreis stand nämlich niemand unterm Kreuz, außer Johannes. Von allen anderen war weit und breit keine Spur. Sie hatten alle die Flucht ergriffen. Ja, Petrus noch! Den hat ja eine Magd im Hof am Kohlefeuer erkannt. In seiner Bedrängnis – die Verleugnung. Wie muss er über sich selbst erschrocken sein? – Jetzt hat sie alle ihre Vergangenheit eingeholt. Petrus und Johannes waren inzwischen am Grab. Sie müssen tatsächlich bestätigen, dass der Leichnam Jesu zumindest nicht mehr dort liegt. Engel und sogenannte Frohe Botschaft von Auferstehung – aber jetzt wohl nicht für sie.
Wie im Handumdrehen sind sie zu Verschlossenen geworden, deren Tür vielleicht auch Jesus gegenüber – aus Angst, aus Scham, aus Betroffenheit verbarrikadiert ist. Ihr Versprechen zu treuer Gefolgschaft hielt nicht, ihre Schuld ist ihnen plötzlich bewusst. Jesus könnte zu Recht auf seine „Freunde“ nicht mehr bauen wollen. . . . Und dann ist er da! Die Barrikade am Zutritt in den Raum, die Verschlossenheit vielleicht ihrer ganzen Seele hält ihn nicht zurück: „Der Friede sei mit euch!“ – Was für ein Herz zerreißender Beweis dafür, wie seine Tür zu den Freunden unwiderruflich geöffnet ist und zu allen Menschen für immer offen steht. Das ist für mich die persönliche Botschaft des Osterfestes, in das ich mich durch die Taufe hineinverwoben wissen darf. In meiner Bruchstückhaftigkeit und in meinem Versagen bin ich erlöst. Er wird es mir nie vorwurfsvoll vor Augen halten. Die offene Kirchtür ist äußeres Symbol und Botschaft zugleich für meinen Glauben, für mein Vertrauen zu Gott.

www.kath-kirche-kaernten.at/berg

Redaktion: Thomas Bogensberger

Regie: Veronika Hofer-Stein

gottesdienst@orf.at