„Sei perfekt! Der Zwang zur Selbstoptimierung“ und „Über 100 Jahre“

Wer heute im Trend liegen möchte, muss sich selbst optimieren, muss sich geistig und körperlich ertüchtigen, muss die perfekte Beziehung führen und muss auch in seinem Beruf Höchstleistungen erbringen, so denken viele.

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ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 14. Mai 2018
um 22.35 Uhr, ORF 2

Mit dem Thema Selbstoptimierung befasst sich die Filmemacherin Reinhild Dettmer-Finke in der „kreuz und quer“-Dokumentation „Sei perfekt!“ am Dienstag, dem 14. Mai 2018, um 22.35 Uhr in ORF 2. Um 23.25 Uhr folgt „Über 100 Jahre“ - Jedes zweite Kind, das heute in Österreich geboren wird, kann ein Alter jenseits der 100 erreichen, sagen Wissenschaftler.

Immer mehr Firmen erwarten von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie körperliche topfit sind.
ORF/DocFilms/Reinhild Dettmer-Finke

„Sei perfekt! Der Zwang zur Selbstoptimierung“

Die Selbstoptimierungstechnologie boomt. Eine gigantische Industrie lockt ständig mit neuen Apps zur Vermessung des Körpers oder entwickelt Präparate zur Leistungssteigerung des Gehirns. Aber wo liegt die Grenze zwischen Methoden der Selbstoptimierung, die die individuelle Lebensqualität verbessern, und Techniken, mit denen permanente körperliche und geistige Leistungssteigerung zum Zwang werden, einer bestimmten, von außen vorgegebenen Norm zu entsprechen?

Es ist zu hinterfragen, ob Menschen durch Selbstoptimierungsstrategien in Zukunft tatsächlich klüger, gesünder und vor allem glücklicher sein werden oder ob sie auf dem besten Weg sind, sich freiwillig einer „Selbstoptimierungsdiktatur“ zu unterwerfen. Die Doku zeigt auch die Gefahren auf, wenn Menschen gutgläubig ihre biometrischen Daten Gesundheits- oder Fitness-Apps anvertrauen und sich dadurch selbst zum „gläsernen Menschen“ machen. Denn wer alles über sich preisgibt, läuft Gefahr, von außen kontrolliert und manipuliert zu werden.

Welche Formen der Selbstoptimierung in allen Lebensbereichen heute schon im Gebrauch sind und welche Methoden künftig noch entstehen werden, zeigt die Filmemacherin Reinhild Dettmer-Finke in ihrer investigativen Dokumentation.

Ein Film von Reinhild Dettmer-Finke

Emilie Lutz (104)
ORF/MR Film/Kris Krenn

Über 100 Jahre

Jedes zweite Kind, das heute in Österreich geboren wird, kann ein Alter jenseits der 100 erreichen, sagen Wissenschaftler. Über 100 Jahre alt sind auch die Protagonistinnen und Protagonisten der Dokumentation, die „kreuz und quer“ am 14. Mai zeigt: Ihre Erinnerungen und Wünsche, ihre „Rezepte“ für ein hohes Alter, aber auch die Beschwerden, die sich einstellen, wenn der Körper mehr als ein Jahrhundert erlebt hat – all das steht im Fokus des Films von Regisseurin Kris Krenn.

Der Tenor der kurzen Dokumentation ist dabei durchaus positiv: „Jetzt ist die beste Zeit – wenn man alles hat und alles kriegt“, erzählt etwa eine 102-Jährige. Und eine andere Protagonistin meint gar: „Ich fühle mich nicht alt.“

Emilie Lutz (104) ist nicht nur stolz darauf, kaum oder keine Medikamente zu benötigen. Bei Kopfschmerzen schwört sie etwa auf frischgepressten Saft. Die 104-Jährige ist auch nach wie vor sehr selbständig und betont, dass sie sich noch alles kochen könne – und zwar „das Beste vom Besten“. Da schwelgt sie dann vor der Kamera in Lammkrone mit Bratkartoffeln und englischem Kraut.

Überhaupt ist das Essen und Trinken ein Thema – denn viele der Betagten können sich noch gut erinnern an Zeiten, in denen es eben nicht genug davon gab. Und so erzählt etwa Hermine Hemer (106), wie sie früher auch das Kochwasser der Erdäpfel getrunken habe. Denn: „Wir haben nichts zum Essen gehabt.“ Margit Haider (105) wiederum gibt gerne zu, dass sie einem Stamperl Schnaps nicht abgeneigt ist – zusätzlich zum täglichen Achtel Wein. „Eine Woche Rotwein, eine Woche hellen Wein.“

Und dennoch, all den positiven Einblicken in das Leben der Über-Hundertjährigen steht – wie sollte es anders sein – auch ein weniger angenehmes Thema gegenüber: die Gesundheit. Denn ein Körper, der seit mehr als 100 Jahren seinen Dienst tut, zeigt eben doch die eine oder andere Verfallserscheinung.

Alles tue einem weh, berichtet da Emma Wenda (101). Schon beim Aufstehen zwicke es einmal da, ein anderes Mal steche es dort. Das sei kein schönes Leben. Autofahren könne er zum Beispiel nicht mehr, erzählt wiederum Gustaf Mach (102).

Das traue er sich nicht mehr. Und eine Frau könne man als Mann auch nicht mehr glücklich machen, gibt der 102-Jährige freimütig zu. Dazu passt gut, was sich Hermine Hemer mit ihren 106 Jahren noch wünscht für die Zukunft: „Das alle gesund bleiben“, sagt sie. Das sei das Wichtigste überhaupt.

Ein Film von Kris Krenn
ORF-Redaktion: Christoph Guggenberger