Eine Auferstehungsgeschichte

Themen: Die Geschichte des Osterfestes; Besuch bei einem Seder-Abend; Daniel - von der Obdachlosigkeit zurück ins Licht; 50. Todestag von Martin Luther King; Bibelessay von Thomas Hennefeld

Wie das Osterfest begonnen hat – Der Papyrusforscher Hans Förster

Viele - vor allem romanische - Sprachen zeigen Wurzeln des Osterfests im jüdischen Pessach- oder Paschafest, denkt man etwa an die Wünsche „Buona Pasqua!“ oder „Joyeuses Pâques!“. Pascha/Pessach bedeutet „vorübergehen, überspringen, verschonen“ und erinnert an Gottes rettende Heilstaten beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten.

Lebenskunst
Sonntag, 1.4.2018, 7.05 Uhr, Ö1

Der Ursprung des deutschen Wortes „Ostern“ ist unklar und es gibt verschiedene Deutungen. Wahrscheinlich ist, dass das Wort mit der Himmelsrichtung Osten bzw. mit dem althochdeutschen „eostarun“, der Morgenröte, zusammenhängt. Dieser Erklärungsversuch basiert auf der Vorstellung vom auferstandenen Christus als der aufgehenden Sonne. Übrigens: Fröhliche Urständ feiern bedeutet: Fröhliche Auferstehung feiern … Urstenti ist das althochdeutsche Wort für Auferstehung.

Wie nun Auferstehung und Ostern heute im kirchlichen Kontext gefeiert werden, das hat sich erst nach und nach entwickelt. Die Abkoppelung vom Judentum, die Entwicklung einer eigenen christlichen Identität, die Einigung auf einen ersten einheitlichen Termin, sowie die genaue Bestimmung der Fastenzeit dauerten mehr als fünf Jahrhunderte. Der evangelische Theologe, Papyrusforscher und Bibelwissenschaftler Hans Förster versucht aufgrund der wenigen erhaltenen Dokumente zu rekonstruieren, wie die frühen Christinnen und Christen Ostern gefeiert haben. – Gestaltung: Judith Fürst

Ein (fast ganz echter) Seder-Abend – kulinarisch und lehrreich

Am Abend des 30. März beginnt es heuer mit dem sogenannten Seder - das jüdische Pessach-Fest, das an die Befreiung der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten erinnert. Und dieser erste Abend wird ganz besonders feierlich begangen. Wie das konkret aussieht, das konnte Brigitte Krautgartner miterleben: Die Israelitische Kultusgemeinde Wien, das österreichische Außenministerium und die Botschaft des Staates Israel hatten zu einem „Quasi-Seder-Abend“ geladen. Acht Tage bevor er tatsächlich in den jüdischen Familien in Wien und rund um den Globus begangen wird, wobei aber – zumindest in orthodoxen Familien – nicht für eine Radiosendung aufgenommen werden darf, weil eben der Feiertag schon begonnen hat.

 Sederspeisen

Botschaft des Staates Israel

Das Sedermahl folgt einer strikten Ordnung

Ein Abend in sympathischer und anregender Gesellschaft (darunter nicht wenige Diplomatinnen und Diplomaten), mit schmackhaftem Essen und passender Weinbegleitung – so könnte man den Event zusammenfassen. Den Vorsitz führte der Oberrabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Arie Folger. Und von ihm konnten die Gäste viel Wissenswertes erfahren. – Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Daniel hat wieder Boden unter den Füßen – Eine Auferstehungsgeschichte

„Durch die Dunkelheit zum Licht“, das ist eine der Metaphern des christlichen Osterfestes. Vom Karfreitag zu Ostern; vom Tod zur Auferstehung. Alpha und Omega. Ein Absturz und ein Aufstieg; ein Ende und ein Neuanfang. „Es war Dunkelheit und es wurde Licht“ - so würde auch Daniel sein Leben in den letzten Jahren beschreiben.

Daniel stammt aus dem Berner Oberland, aus einer zweisprachigen Familie: Der Vater spricht französisch, die Mutter des mittlerweile 55-Jährigen ist Deutschschweizerin, und beide Eltern waren in der Gastronomie tätig. Daniel galt als das „schwarze Schaf“ der Familie: Statt in der Gastronomie arbeitete er in der Landwirtschaft und im Fahrzeugbau. Alles hätte gutgehen können, doch es ist anders gekommen. Wie, das hat der mittlerweile in Wien gelandete obdachlose Mann Maria Harmer erzählt. Letztendlich hat er es – mit Hilfe der Caritas und von „Shades Tours“, die Wien-Führungen mit Obdachlosen anbieten – quasi „von der Dunkelheit zurück ins Licht“ geschafft. – Gestaltung: Maria Harmer

Die unauslöschlichen Spuren des Martin Luther King – Zu seinem 50. Todestag

Am 4. April jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem der Baptistenpastor und Menschenrechtsaktivist Martin Luther King (1929 – 1968) in Memphis von einem weißen Rassisten erschossen wurde. Sein jahrelanges Engagement und im Besonderen seine Rede vor 250.000 Demonstranten der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in Washington („I have a Dream“) hatten ihm den Friedensnobelpreis gebracht, aber auch den unversöhnlichen Hass der weißen Verteidiger des Status quo. Martin Luther King war 39 Jahre jung, als er ermordet wurde, doch sein gewaltfreies Engagement im Geist des christlichen Glaubens hat bis heute unauslöschliche Spuren im amerikanischen Rechtssystem und darüber hinaus im kollektiven Gedächtnis des Planeten hinterlassen.

Der deutsche evangelische Pastor Heinrich Grosse hat Ende der 1960er Jahre in den USA studiert und sich dort ebenfalls in der Bürgerrechtsbewegung engagiert. Dabei ist er auch mehrere Male Martin Luther King begegnet. Günter Kaindlstorfer hat Pastor Grosse in Hannover besucht und zu Martin Luther King befragt. Wenige Tage danach, am 9. Jänner 2018, ist Heinrich Grosse völlig unerwartet gestorben. Seine Erinnerungen sind am Ostersonntag in „Lebenskunst“ zu hören. – Gestaltung: Günter Kaindlstorfer

Bibelessay zu 1. Sam 2,1 - 2.6 - 8a: Schwanger und glücklich

Was am Ostersonntag in den evangelischen Gottesdiensten als Predigttext gelesen wird, ist das Gebet einer Frau, die glücklich ist, weil sie völlig unerwartet doch noch ein Kind bekommt. Dass dieses Kind später ein bedeutender Prophet Israels werden wird (Samuel, der David zum König salbt), weiß sie natürlich noch nicht, sie ist einfach nur glücklich. Gedanken dazu von Thomas Hennefeld, dem Landessuperintendenten der evangelisch-reformierten Kirche in Österreich.

Bibelessay zu 1. Sam 2, 1 - 2.6 – 8a

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 1.4.2018 zum Nachhören:

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