Ein ganz normales Paar

Nun haben sie also geheiratet – endlich. Prince Harry und Meghan Markle. Die halbe Welt hat gestern zugeschaut, und das ist wahrscheinlich noch untertrieben.

Zwischenruf 20.5.2018 zum Nachhören:

Im ORF und vielen anderen Fernsehsendern konnten wir live dabei sein – und etliche Millionen waren es auch Die Trauung der beiden reiht sich ein in die anderen royalen Traumhochzeiten, allen voran die Hochzeit von Prince Charles und Lady Diana – Prince Harrys Eltern - 1981. Selbstverständlich war ich auch damals live dabei am Bildschirm, gemeinsam mit vielen anderen Millionen.

Marco Uschmann
ist evangelischer Pfarrer und Chefredakteur der Zeitung „Die Saat“

Das Brautpaar vor dem Altar

Warum ist das so? Üblicherweise bin ich nicht so interessiert an Themen der Regenbogenpresse, Klatsch und Tratsch lassen mich eigentlich eher kalt. Anders bei den Royals. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach der heilen Welt und die Suche nach dem verlorenen Paradies: Schöne Menschen versprechen einander lebenslange Liebe, bekommen Kinder und sind erfolgreich. Und das alles vor Gott, denn im Zentrum steht ja die Kirche, in diesem Fall die St. George’s Chapel. Hier wurde Prince Harry 1984 getauft. Ja, die Kirche spielt eine große Rolle bei diesen Traumhochzeiten.

Pfingsten kann man ja gut und gerne als Gründungsdatum der Kirche verstehen: Damals in Jerusalem, so erzählt es die Bibel, kommen „Zungen wie Flammen“ über die Apostel. Begeistert von Gottes Geist machen sich die Apostel auf, ziehen in die Welt und gründen Gemeinden. Die Menschen lassen sich begeistern von den Ideen, die die Apostel mitbringen: Nächstenliebe, Menschlichkeit, Hilfe für die Schwächsten und Benachteiligten. Dazu gehören Harry und Meghan eindeutig nicht. Dennoch bitten sie in der Kirche um Gottes Segen. Warum auch nicht? Ich vermute, dass es auch bei ihnen über das rein Folkloristische hinausgeht. Obwohl es ja genau diese Bilder sind, die im kollektiven Gedächtnis bleiben: das Brautpaar vor dem Altar, das hingehauchte Yes der Braut.

Herausforderungen des Lebens

Vielleicht dient das alles nur als Projektionsfläche für das alte Märchen, dass Frauen von einem Prinzen geheiratet werden wollen. Und modernisiert geht dann das Märchen so, dass Männer Prinzen sein wollen und ihre Prinzessin im Cabriolet in ihr Schloss fahren. Beides kann und will ich nicht beurteilen. Ich bemerke nur ein globales Phänomen und ein globales Interesse – und das seit Jahrzehnten. Denn etliche wissen Bescheid über die Schwierigkeiten mit Meghans Vater – geschieden, schwierige Beziehung zur Tochter – sie kennen die Kosten der Hochzeit des Jahres – 36 Millionen, teurer als die von Prince William und Kate – und saugen alle Informationen auf, die wir bekommen können über die beiden und ihre Hochzeit.

Zwischenruf
Sonntag, 20.5.2018, 6.55 Uhr, Ö1

Liebe will sich ja immer perpetuieren, also unendlich sein und sich niemals erschöpfen. Das Versprechen dazu gibt es – in diesem Fall – vor dem Altar und vor Gott. Das kann nicht schaden, denn auch dieses Paar wird die Mühen der Ebene kennenlernen. Die mögen etwas anders aussehen als die von Otto NormalverbraucherIn. Welch‘ Tragik darin herrschen kann, haben die Menschen ja an Harrys Mutter Diana miterleben müssen.

Jedenfalls ist auch die Ehe von Harry und Meghan dem Alltag und den Abnutzungserscheinungen ausgesetzt. Ich wage hier eine Verallgemeinerung: So wie nahezu alle Menschen, die in Beziehungen leben, das erleben. Dann zählt auf einmal anderes, denn die Liebe wandelt sich und bekommt andere Gesichter. Vertrauen, Verlässlichkeit, Sorge und auch Fürsorge. Diese Liste lässt sich beliebig verlängern. All das spielte mit, als die beiden sich füreinander entschieden und das gestern vor Gott und der Welt in der Kirche bekundet haben. Ihre Höhen und Tiefen miteinander werden sie nun mehr oder weniger öffentlich leben müssen. Aber oft genug sind die beiden auch nur ein ganz normales Paar, das miteinander die Herausforderungen des Lebens meistern will. Hoffentlich gelingt es. Gottes Segen dafür zu erbitten, liefert da mehr als schöne Bilder – es bietet eine verlässliche Begleitung.