Das Tempo des Motors

Wie schnell sind Sie? Zu dieser Tageszeit, da ist der Tag noch nicht einmal ein Tag. Wäre der Tag ein Motor, dann ist er noch sehr kalt und nicht auf Touren.

Gedanken für den Tag 2.7.2018 zum Nachhören:

Auch heute müssen wir unser Tempo erst erfinden. Um nicht von anderen überholt zu werden, vor allem aber nicht von uns selbst. Kommen wir uns nach, finden wir die richtige Geschwindigkeit, um nicht schon auf dem Weg ins Badezimmer aus der Zeitkurve zu fliegen?

Herbert Maurer
ist Schriftsteller und Übersetzer

Das eigene Tempo

Wie kommen wir auf Touren? Mit einem Mineralwasser, einer kalten Dusche, einer Zigarette, einer Zigarette unter der Dusche, einem Espresso in der Waagrechten? Einem Grapefruitsaft in der Senkrechten? Können wir unsere unterschiedlichen Geschwindigkeiten schon koordinieren? Die Füße bewegen sich langsamer als die Zunge in der Milch, die Zahnbürste ist schneller als die rechte Hand, oder - umgekehrt: Die ersten Worte, die uns über die Lippen kommen „Guten Morgen“ oder „Jetzt schon?“ oder „Ausgerechnet heute“ sind schneller als das Gehirn, das ihnen noch mühsamer nachdenkt, als es nachhinken kann.

Auch dieses hinkende Hirn wird aber sein Tempo finden. Die Herausforderung liegt also daran, aus all diesen verschiedenen Sorten von Geschwindigkeit dieses eine Tempo zu machen, unser Tempo, mit dem wir bis ans Ende des Tages oder bis ans Ende unsrer Tage leben müssen oder dürfen. Alles Gute Ihnen auf der Suche nach Ihrem Tempo.

Musik:

Pete Tex/Saxophon mit Orchester: „Peter Gunn“ von Henry Mancini, arrangiert von Peter Drischel
Label: Gib CD 38341752