„Das Jahr 1968 und die Kirchen“

Teil 1: Von den Bürgerrechtsbewegungen bis zum politischen Nachtgebet

Es ist das Jahr der sogenannten 68er- Bewegungen, das Jahr der Studentenrevolten und Proteste gegen den Vietnamkrieg. Das Jahr, in dem der Anführer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA, Martin Luther King, ermordet wird und das Jahr des Prager Frühlings, in dem der schrittweisen Liberalisierung der kommunistischen Diktatur in der Tschechoslowakei mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes ein jähes Ende gesetzt wird.

Logos
Samstag, 21.7.2018, 19.05 Uhr, Ö1

„Unter den Talaren, der Muff von 1000 Jahren“

Politische Ereignisse, denen sich auch die Kirchen nicht entziehen konnten: Viele Christinnen und Christen forderten vehement ein politisches Christentum. In der katholischen Kirche unter anderem durch die Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die katholische Kirche „verheutigen“, in der Gegenwart ankommen lassen, sollte. Die Forderungen nach Liberalisierung und „Entstaubung“ – eine der antiklerikalen Parolen der 68er-Bewegung hieß „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“ – gibt es allerdings auch innerkirchlich, sowohl in der katholischen wie in den evangelischen Kirchen. Manch einen Kirchenvertreter, so auch den späteren Papst Benedikt XVI., schreckten die teils gewaltbereiten linksgerichteten Studentenproteste allerdings ab und sie entwickelten eine sehr kritische Sicht auf die Bewegung und ihre Forderungen.

1968 ist aber auch das Jahr, in dem Papst Paul VI. mit seinem letzten Lehrschreiben „Humanae vitae“ Aufsehen erregt, nicht zuletzt deshalb, weil er darin auf ein Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung besteht. Zwar relativiert er die bis dahin gültige katholische Theorie, alleiniger Zweck der ehelichen Vereinigung sei die Fortpflanzung, doch weil er das Verbot nicht lockert, geht sein Lehrschreiben unter der Bezeichnung „Pillenenzyklika“ in die Geschichte ein. Weit weniger bekannt als das „Pillenverbot“ ist freilich das Engagement von Paul VI. gegen die wirtschaftlichen und sozialen Ungerechtigkeiten in der Welt.

Ein Logos-Zweiteiler über die Umbrüche 1968 und ihre Auswirkungen auf die Kirchen.

Gestaltung: Kerstin Tretina und Judith Fürst

Logos 21.7.2018 zum Nachhören: