Das Tempo der Löffel

Es gibt den Kreislauf des Lebens und es gibt den eigenen Kreislauf, der einem gehört, der manchmal verrücktspielt oder gerade jetzt, in der Früh, gar nicht so richtig vorhanden ist. Deshalb das Kreisen des Löffels im Kaffee, jenes Löffels, den man offenbar noch nicht abgegeben hat. In einem Kaffee, den die Wiener wohlgemerkt den Armeniern zu verdanken haben.

Gedanken für den Tag 5.7.2018 zum Nachhören:

Entscheidend ist auch hier, wie immer, das Tempo. Hat der gewonnen, der schneller umrührt? Hat immer der gewonnen, der sich schneller bewegt, vor allem in dieser kritischen Zeit kurz vor sieben Uhr? Wer will schon seinen Löffel abgeben, an wen auch immer? Halten Sie den Löffel, den Löffel Ihres Lebens, fest in der Hand und konzentrieren Sie sich auf die richtige Geschwindigkeit. Jede Umdrehung ist schon einmal ein Hinweis darauf, dass Sie sich bewegen, bewegen können und bewegen wollen. Wenn noch dazu das richtige Tempo erreicht ist, dann steht Ihrer Bewegung in der Morgendämmerung nichts mehr im Wege.

Herbert Maurer
ist Schriftsteller und Übersetzer

Löffel in den Mund

Das Tempo an sich, das Tempo in uns oder die Drehgeschwindigkeit des Löffels, die ja auch unsere Drehgeschwindigkeit ist, kennt keine Richtung. Genau die müssen wir aber finden, unbedingt, sonst hat der Tag keine Richtung und wir haben im Tag keine Chance. Wer ist stärker, der Tag oder wir? Eine Zeit, die sich in sich selber dreht, oder von uns umgerührt wird wie ein Mocca, so schwarz wie das Weltall, eine solche Zeit bringt uns nicht von heute nach morgen, sondern holt uns ins Heute, schwarz, sonnig, heiß, milchweiß…?

Deshalb: Nehmen wir den Löffel zum Beispiel in den Mund, mit oder ohne Zucker, ohne den Löffel einfach abzugeben. Erfinden wir jenseits unseres jeweiligen Häferls unsere Zeit. Wünschen wir einander eine gute Rundreise durch den Tag.

Musik:

Henry Mancini Orchester: „Breakfast at Tiffany’s“ aus: FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY / Original Filmmusik von Henry Mancini
Label: RCA 74321135802 (Japan)