Das Zelt

Sommer, Ferien, Reisezeit. Die einen fliegen ans Meer, die anderen unternehmen in Österreich etwas.

Morgengedanken 20.7.2018 zum Nachhören:

In meinen Jahren als Jugendseelsorger habe ich oft Radtouren mit Jugendlichen unternommen. Jeweils für eine Woche ging es quer durch Österreich. Alles, was dafür nötig war, musste in den Satteltaschen Platz finden. Dazu gehörte natürlich auch ein Zelt: ein oder zwei Stoffplanen, die in Verbindung mit den richtigen Stangen einen kleinen Zufluchtsort schaffen. Im Zelt gibt es Schutz vor Kälte, Wind und Regen, und auch ein wenig Privatsphäre. Sonderlich bequem ist es allerdings nicht. Dafür leicht zu transportieren - und darauf kommt es bei einer Radtour schließlich an. Auf diese Weise waren wir gemeinsam unterwegs.

Stefan Schröckenfuchs
Superintendent der evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich

Ein Zelt als Wohnort Gottes

Gemeinsam unterwegs - davon erzählt auch die Bibel im zweiten Buch Mose. 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste, nachdem sie aus Ägypten geflohen sind. Mit sich führen sie das Heiligtum ihres Gottes - und zwar in einem Zelt. Ein Zelt als Wohnort Gottes – das bedeutet: Gott geht mit! Gott braucht keine pompösen Tempel und prunkvollen Kirchen. Sondern Gott geht mit - er will in unserer Mitte sein. Es ist ein Gott, der Gemeinschaft sucht. Dafür genügt ihm ein einfaches Zelt.

Warum Menschen Gott dann doch immer wieder pompöse Tempel und Kathedralen bauen? Vielleicht liegt es ja daran, dass sie den Pomp selbst so lieben?