Nächstenliebe

Für andere zu spenden, jemanden zu unterstützen - im Grunde einfach großzügig zu sein - im Christentum gilt das als Tugend, für die es durchaus auch eine Belohnung geben kann. Freilich: Nächstenliebe steht auch in anderen Religionen hoch im Kurs.

Morgengedanken 7.8.2018 zum Nachhören:

„Vergelt‘s Gott!“ Diese altertümliche Art, Danke zu sagen, trägt wichtige Glaubensinhalte in sich. Nicht nur die Dankbarkeit dem anderen Menschen gegenüber, sondern auch eine Zuversicht, dass sich alles in eine höhere Ordnung fügen wird, schwingen hier mit. Spätestens im Himmelreich wird Gott unsere guten Taten belohnen. Das bedeutet auch, dass wir Menschen nicht allzu genau miteinander abrechnen müssen, sondern darauf vertrauen dürfen, dass eine höhere Macht für Gerechtigkeit sorgen wird.

Aglaia Maria Poscher-Mika
ist Sängerin, Musiktherapeutin und Beauftragte der Diözese Feldkirch für den interreligiösen Dialog

Bereket heißt Fülle

Mit solch einer Zuversicht sind christlich Gläubige nicht allein: Auch Muslime kennen ein Vertrauen in ein göttliches Gleichgewicht guter Taten. Bereket bedeutet soviel wie Fülle – eine überfließende Belohnung, die sich einstellt, nachdem man selbst großzügig war – mit seiner Zeit, seinen Taten oder auch mit einer Spende gegenüber Armen. Ein wichtiger Unterschied ist, dass sich die Belohnung schon in diesem irdischen Leben einstellt, und nicht erst im Himmelreich.

So kann es passieren, dass wir, nachdem wir einige Stunden jemandem geholfen haben, danach mit der eigenen Arbeit so sehr im Fluss sind, dass sie uns trotz vermeintlichen Zeitmangels viel leichter gelingt, als wenn wir den ganzen Tag dafür zur Verfügung gehabt hätten. Vielleicht haben Sie selbst heute oder in den nächsten Tagen eine Erfahrung von bereket – Fülle – eine überfließende Belohnung - ich wünsche es Ihnen!