Stilles Schweigen

Ja, dieses ewige Redenmüssen. Schon schwer, immer die richtigen Worte zu finden. Schon schön so ein Schweigen, so eine Stille, tief unten im Meer. Ab und zu mal ein Blubb, ein Bläschen leerer Luft, mehr nicht. Und wenn nicht der Fisch im Wasser, die glückliche Kuh auf der Weide gibt es auch im verlockenden Regal der Fluchtvorstellungen ins Tierreich.

Gedanken für den Tag 9.8.2018 zum Nachhören:

„Ich würd gern tief unten im Wasser leben.
Man braucht nicht zu reden. Wozu?
Wie ein Fisch“
sagt Louis Laine im „Tausch“ von Paul Claudel.

„Mir genügt das Heute“

Hauptsache es muss und kann nicht gesprochen werden – also keine Erklärungen, vor allem kein Streit, wie es bei uns im Menschenreich halt so üblich ist. In einem solchen Moment der Sehnsucht oder Verzweiflung muss man allerdings vergessen, dass man als Fisch auch gefressen werden oder als Stäbchen auf dem Teller landen kann. Sonst funktioniert der Eskapismus nicht. Wenn er denn überhaupt funktioniert... Ich hab da so meine Zweifel. Weil – wenn ich die glückliche Kuh auf der Weide länger betrachte und besinne, kommt mir schon auch der Gedanke, dass es ihr doch irgendwann auch fad werden muss. Dieses ewige Grasen und Wiederkäuen....

Alexander Tschernek
ist Schauspieler und Radiomacher

Ja und dann geht’s auch schon wieder munter los mit dem Denken und den Worten und der Frage, wo und als was ich wirklich leben will? Wissen Sie es? Als erstes würd ich gerne sagen (total pathetisch und idealistisch): Ich würde gerne als Mensch in der Wahrheit leben. Trau ich mich jetzt aber nicht zu sagen, weil die Wahrheit doch eine ziemlich große Sache ist... Ich rette mich mit einem anderen Satz von Louis Laine: „Ich weiß nicht, was das ist gestern und morgen. Mir genügt das Heute.“

Ja, das Heute – das Jetzt – die Gegenwart – ich glaube, wenn man das schafft, will man kein Fisch mehr im Wasser sein... Wenn ich zufrieden und erfüllt in dem Wunder – manchmal auch in der Wunde - der Gegenwart leben kann, dann sprudeln nicht die stummen Bläschen, sondern der Logos in Worten, Gesprächen und Taten. Das Vergangene ist wirklich vergangen. Das Kommende mag kommen, wie es wolle - und das Schweigen ist dann eine Quelle der Inspiration, die mich dem Leben vertrauen lässt. Also: „Lobpreis der Gegenwart!“

Musik:

Homero Francesch/Klavier: „A la Maniere de Borodine“ - Walzer für Klavier von Maurice Ravel
Label: Ex Libris 6080

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Alexander Tschernek