Das Tagebuch des Judas

Themen: 100. Todestag von Pater Franziskus Jordan, Gründer der SalvatorianerInnen; Fiktives Tagebuch des Judas; Der Historiker Valentin Groebner über das Mittelalter; Bibelessay von Luise Müller

Ein genialer Menschenfreund – Zum 100. Todestag von Pater Franziskus Jordan, dem Gründer der SalvatorianerInnen

Mit 33 Jahren war Pater Franziskus Jordan einer der jüngsten Ordensgründer in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche. Seine Idee: Die Gründung einer apostolischen Lehrgesellschaft, in der Männer und Frauen, Priester und Laien, Handwerkerinnen und Wissenschaftler zusammenarbeiten. Vor fast genau 100 Jahren, am 8. September 1918, ist der gebürtige Deutsche, der genial sprachbegabt war und über 30 Sprachen beherrschte, in der Schweiz gestorben.

Das Vermächtnis von Pater Franziskus Jordan lässt sich in drei Buchstaben zusammenfassen: SDS; das steht für „Societas Divini Salvatoris“ (also etwa: Gesellschaft des göttlichen Heilands), den Männerorden, und „Sorores Divini Salvatoris“ (Schwestern des göttlichen Heilands), die Salvatorianerinnen. Der 3. Zweig des Ordens sind die Laien-Salvatorianer. Das Wort „Salvator“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Heiland.

1.100 Ordensfrauen sind derzeit in 27 Ländern auf vier Kontinenten tätig und rund 1.200 Salvatorianer weltweit in mehr als 100 Einrichtungen im Einsatz; in den Bereichen Bildung, Entwicklung, Gesundheit und Seelsorge. – Gestaltung: Maria Harmer

Neue Perspektiven auf den Erz-Schurken – Das „Tagebuch des Judas“

Er hat, so sagt er, immer schon Tagebuch geschrieben: der katholische Theologe und Autor Franz Josef Weißenböck. Sein jüngstes Buch ist konsequenterweise als fiktives Tagebuch verfasst, und zwar als jenes des Judas Iskariot, jenes Apostels also, der als Verräter seines Freundes und Lehrers Jesus von Nazareth in die Geschichte eingegangen ist. In den biblischen Evangelien wird erzählt, dass er es war, der Jesus an die Römer ausgeliefert hat.

Buchhinweis:
Das Buch „Judas, Das Tagebuch des Verräters“ ist direkt über den Autor Franz Josef Weißenböck erhältlich. Unter efjewe@aon.at

Franz Josef Weißenböck erzählt die Geschichte rund um Jesu Tod und Auferstehung aus der - fiktiven - persönlichen Perspektive des Judas, mit einer überraschenden Pointe: Judas lebt nach dem Tod Jesu nicht nur weiter, es stellt sich sogar heraus, dass er dessen Zwillingsbruder war. Verwoben hat der Autor in sein Buch einige Textstellen aus dem Judas-Evangelium, einer Schrift, die im zweiten Jahrhundert entstanden sein dürfte und erst in den 1970er Jahren entdeckt wurde. Das Judas-Evangelium gehört nicht zu den sogenannten kanonischen, also von der Kirche als „Maßstab ihrer Religionsausübung“ - so die offizielle Formulierung - anerkannten Schriften, sondern zu den „apokryphen“. Judith Fürst hat Franz Josef Weißenböck gebeten, Auszüge aus seinem Buch zu kommentieren.

„Das Mittelalter war ganz anders“ – Der Historiker Valentin Groebner über eine faszinierende Epoche

Vielleicht hängt es ja damit zusammen, dass Reisen im geographischen Sinne immer einfacher und für immer mehr Menschen möglich werden – vielleicht ist eine Folge davon, dass Zeitreisen faszinierend wirken. Dass man ferne Jahrhunderte erkunden möchte.

Lebenskunst
Sonntag, 2.9.2018, 7.05 Uhr, Ö1

Wie auch immer, nach der Reisezeit in den Sommerferien stehen im Spätsommer vielerorts Mittelalterfeste an – mit Darbietungen von Handwerkskunst, Tänzen und Musik aus dieser Zeit. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Erwachsene können den Wein Met kosten. Für Kinder gibt es im offenen Feuer gebratene Erdäpfel, - die es im Mittelalter hierzulande noch gar nicht gegeben hat.

Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich der Mittelalter-Experte Valentin Groebner: Wie stellen wir uns das Mittelalter heute vor? Wie historisch richtig ist dieses Bild? Wie haben die Leute damals – tatsächlich – gelebt? Und wie hat damals das religiöse Leben ausgesehen?

Groebner stammt aus Wien, lehrt aber in der Schweiz Allgemeine und Schweizer Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern. Auf Initiative des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen war er kürzlich in Wien. – Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Glaube, Liebe Hoffnung – Bibelessay zu 1. Thess 1, 2 - 10

In den evangelisch-lutherischen Gottesdiensten steht ein Ausschnitt aus einem jener im Neuen Testament nachzulesenden Briefe als Predigttext auf dem Plan, den Paulus aus Tarsus an die von ihm gegründete Gemeinde in Tessalonich, dem heutigen Saloniki, geschrieben hat. Gedanken dazu von Luise Müller. Sie ist evangelische Theologin und war viele Jahre Superintendentin für die evangelische Diözese Salzburg und Tirol.

Bibelessay zu 1. Thess 1, 2 – 10

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 2.9.2018 zum Nachhören: