Umweltschutz in den Weltreligionen

Themen: Martin Jäggle über Schöpfungsverantwortung in Juden- und Christentum; Umweltschutz und Islam in Indonesien; „Der Kaufmann von Venedig“ im Volkstheater; Bibelessay von Martin Jäggle

Umweltschutz ist gelebte Beziehung – Martin Jäggle über Schöpfungsverantwortung in Juden- und Christentum

Am Abend des 9. September beginnt für Juden und Jüdinnen in aller Welt das Neujahrsfest Rosch ha-Schana und damit das Jahr 5779 nach jüdischer Zeitrechnung. Rosch ha-Schana ist laut Talmud Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Geburt Adams. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr und man tritt mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott. An Rosch ha-Schana beginnen die Zehn ehrfurchtsvollen Tage (Jamim Noraim), die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur enden.

Es ist also ein Tag, der auch mit der Weltschöpfung in Verbindung gebracht wird und damit auch mit der Verantwortung zu tun hat, die der Mensch für seine Umwelt hat. Ein Gedanke, der sich auch im Christentum, das wesentlich in der jüdischen Religion wurzelt, wiederfindet. In vielen christlichen Kirchen wird in diesen Wochen – noch bis zum 4. Oktober, dem Tag des Franz von Assisi – die sogenannte Schöpfungszeit begangen wird. So liest man etwa in den orthodoxen Kirchen den biblischen Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis im Ersten oder Alten Testament zu Beginn des dortigen Kirchenjahres am 1. September. Mehr zur christlich-jüdischen Schöpfungsverantwortung vom katholischen Theologen und Religionspädagogen Martin Jäggle. Er ist Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. – Gestaltung: Martin Gross

Erste wichtige Schritte – Umweltschutz und Islam in Indonesien

Verantwortung für die Umwelt spielt auch im Islam eine Rolle. Und es wird Neujahr gefeiert. Am 12. September beginnt nach dem islamisch-arabischen Mondkalender das Jahr 1440 nach der Hidschra, der Auswanderung Mohammeds von Mekka in das spätere Medina, wo der Prophet des Islam die neue Religion wirksamer verkünden konnte.

Lebenskunst
Sonntag, 9.9.2018, 7.05 Uhr, Ö1

Für die 1,8 Milliarden Musliminnen und Muslime weltweit bestimmt der uralte religiöse Mondkalender die islamischen Feiertage, doch die heutigen Probleme der Welt sind auch im islamischen Jahr 1440 präsent. Umweltzerstörung hat viele Gesichter und ist fast überall auf dem Planeten anzutreffen, auch in Indonesien, wo die zahlenmäßig größte muslimische Bevölkerung lebt: Von den rund 260 Millionen Einwohnern gehören 87% dem Islam an. Wenn dort Umweltschutz und Industrialisierung aufeinanderprallen, werden auch die Religionen involviert. – Gestaltung: Lise Abid

Shylock x 3 - „Der Kaufmann von Venedig“ im Wiener Volkstheater

Wer würde es einem Menschen, der auf offener Straße bespuckt und als Hund beschimpft wird, verdenken, wenn er sich eines Tages rächt? Genau darum geht es in William Shakespeares Stück „der Kaufmann von Venedig“, das übrigens als Komödie ausgewiesen ist.

Doch wenn dieser - modern würde man sagen - Underdog ein Jude ist, ändert das etwas? Wird das Stück dadurch politisch unkorrekt, dass der Jude als einer dargestellt wird, der es den anderen heimzahlen will? Oder zeigt sich dadurch nur, dass Jüdinnen und Juden dieselben Impulse haben wie alle anderen Menschen auch? Genau das wird in dem berühmten Monolog des jüdischen Geldverleihers Shylock offenbar. Viele Fragen sind es, die sich rund um den „Kaufmann von Venedig“ eröffnen. Ist dieses Shakespeare-Stück antisemitisch? Und wenn ja - wie sehr?

Das Wiener Volkstheater hat sich damit ausgiebig beschäftigt. Am 8. September hat das Stück in der Inszenierung von Anna Badora, der Direktorin des Hauses, Premiere. Dramaturgische Wagnisse inklusive. – Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Effata – Öffne dich! – Bibelessay zu Markus 7, 31 - 37

Es ist eines der Heilungswunder Jesu, das am „23. Sonntag im Jahreskreis“ in den katholischen Messfeiern als Evangelientext gelesen wird. Es stammt aus dem ältesten der vier biblischen Evangelien, dem von Markus, entstanden wohl um das Jahr 70. Auch dazu Gedanken vom katholischen Theologen und Religionspädagogen Martin Jäggle.

Bibelessay zu Markus 7, 31 - 35

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 9.9.2018 zum Nachhören: