„Anpassung – Verfolgung – Widerstand“

Theologie und Kirche im Nationalsozialismus:

Der evangelische Oberkirchenrat hatte tatsächlich große Hoffnungen in das neue Regime gesetzt, die katholischen Bischöfe glaubten noch an die Möglichkeit eines „modus vivendi“ – während man auf der anderen Seite bereits davon träumte, dem „Führer“ seine Heimat schon zum 50. Geburtstag am 20. April 1939 völlig „religionsfrei“ präsentieren zu können.

„Ein Räuberstaat“

Auf den so genannten „Anschluss“ am 12. März 1938 folgte eine beispiellose Welle von Hass und Gewalt – die zuerst das alte Regime überrollte, dann die Jüdinnen und Juden traf, aber letztlich auch vor den Kirchen nicht Halt machen sollte.

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Samstag, 6.10.2018, 19.05 Uhr, Ö1

Am 8. Oktober 1938 – vor 80 Jahren – wurde das erzbischöfliche Palais in Wien gestürmt, nachdem sich der Erzbischof, Kardinal Theodor Innitzer, bei einer „Rosenkranzandacht für die Jugend“ etwas zu weit vorgewagt und damit eine Kundgebung gegen das Regime verursacht hatte. Innitzer konnte sich retten – ein anderer Geistlicher wurde aus dem Fenster geworfen und schwer verletzt.

In Salzburg blieb es bei Protesten vor dem Palais – das später zur Gänze beschlagnahmt werden sollte. Erzbischof Sigismund Waitz musste in die Erzabtei St. Peter ausweichen. Legendär ist seine letzte Predigt (zu Christkönig 1941) mit der klaren Ansage: „Ein Staat, der kein Recht kennt, ist ein Räuberstaat.“ Die Gläubigen antworteten mit tosendem Applaus – wenige Tage später stand die SS vor der Tür des greisen Erzbischofs, doch da war er bereits gestorben.

Später Umdenkprozess

Bei aller ehrlichen Abneigung gegen den Nationalsozialismus in katholischen Kreisen – es gab doch gemeinsame Feinde oder Feind-Bilder: allen voran „der Kommunist“ und „der Jude“. Im evangelischen Bereich kam dazu noch das deutsch-nationale Erbe der Kirche. Und: Nach den schlechten Erfahrungen im „christlich-deutschen Ständestaat“ hoffte man auf Verbesserungen nach der Wiedervereinigung mit dem Heimatland der Reformation.

Außerdem findet sich beim Apostel Paulus eine klare Weisung (im Brief an die Römer): Demnach „gibt es keine staatliche Gewalt außer von Gott“ – und „wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes“.

Ein grundsätzlicher Umdenkprozess setzte bei vielen erst mit Kriegsbeginn ein – oder als dann nicht mehr zu übersehen war, wohin der allgegenwärtige Antisemitismus in der nationalsozialistischen Praxis letztlich geführt hatte.

Gestaltung: Markus Veinfurter

Logos 6.10.2018 zum Nachhören: