Freiwilliges Soziales Jahr

Ich habe mich damals gleich nach der Matura für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden. Das ist mittlerweile sieben Jahre her und ich habe diese Entscheidung nie bereut.

Gedanken für den Tag 8.10.2018 zum Nachhören:

Ich kann mich noch heute erinnern, wie aufregend es war, den Brief zu öffnen, in dem mir meine Einsatzstelle genannt wurde. Es war eine Werkstatt der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung in Bad Vöslau. Dieser Brief hat nicht nur das darauffolgende Lebensjahr, sondern mein ganzes Leben verändert.

Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung hat mir von Anfang an unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe es genossen, Erfahrungen zu sammeln und meine eigenen Fähigkeiten in der Arbeit mit Menschen unter Beweis zu stellen. Es war sehr schön, mich mit kreativen Ideen einzubringen und viele neue Menschen kennenzulernen. Das hat mir letztendlich auch geholfen bei der Entscheidung für meinen weiteren Lebensweg und Ausbildungsweg. Ich habe mich nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr für das Studium der Sozialen Arbeit entschieden und so meinen Traumberuf gefunden.

Rica Ehrhardt
war Teilnehmerin am Freiwilligen Sozialen Jahr

Sicht auf die Dinge

Aber nicht nur beruflich, sondern vor allem menschlich hat mich dieses Freiwillige Soziale Jahr beeindruckt und geprägt. Die Menschen, die ich dabei kennenlernen durfte, haben mein Leben bereichert: Richard, der jeden Tag die Wettervorhersage auswendig kannte und gerne immer und immer wieder wiederholte und es liebte, bei Festen Breakdance zu tanzen. Harald, ein großer, starker junger Mann, der in Perfektion mit einer winzigen Nadel wunderschöne Bilder sticken konnte. Hans, der es liebte, mit mir über meinen Hund zu plaudern, weil er selbst keinen Hund mehr hatte. Und Sissi, die erst angefangen hat mit mir zu sprechen, als sie bemerkte, dass ich jeden Tag mit dem Zug komme. Sissi liebt Züge.

Diese und viele andere schöne, lustige und lehrreiche Erlebnisse haben mich geprägt. Aber nicht jeder Moment meines Freiwilligen Sozialen Jahres war von schönen Erlebnissen geprägt. Gerade auch diese belastenden Momente waren immer wieder Denkanstöße für mich. Warum bin ich so unsicher? Soll ich das wirklich machen? Was will ich eigentlich? Ich hatte während meines Freiwilligen Sozialen Jahres die Möglichkeit, mich sehr viel mit mir selbst auseinanderzusetzen, mit meinen Zielen, meinen Wünschen und auch mit meiner Sicht auf bestimmte Dinge. Und konnte daraus lernen. Ich konnte mich selbst besser kennenlernen und habe dadurch und mit Hilfe und viel Hingabe der Klienten und Klientinnen gelernt, andere besser zu verstehen.

Musik:

Wolfgang Muthspiel, Toni Scherr, Kenny Wollesen und Don Alias: „With a little help from my friends“ von John Lennon und Paul McCartney
Label: Amadeo 5277272