„Rosenkranz und Widerstand“

Was aus dem Oktober 1938 zu lernen ist - 80 Jahre nach der Rosenkranz-Demonstration

„Am 7. Oktober im Dom…“ lautete die Botschaft, die vor genau 80 Jahren unter Katholikinnen und Katholiken verbreitet wurde. Mit überwältigenden Folgen. Aus dem sogenannten Rosenkranzfest, wie es der katholischen Tradition entsprechend am 7. Oktober begangen wird, entwickelte sich die größte Widerstandsmanifestation der gesamten NS-Zeit im Deutschen Reich mit mehr als 7.000, vor allem jugendlichen, Teilnehmer/innen im und vor dem Wiener Stephansdom.

„Euer Führer ist Jesus...“

Die jungen Männer und Frauen, Mädchen und Burschen, versammelten sich abends nach der Andacht vor dem Erzbischöflichen Palais und stimmten Sprechchöre wie „Wir wollen unseren Bischof sehen!“ an – nicht nur das eine Provokation in den Augen der NSDAP-Funktionäre, die die Anspielung auf Hitler-Parolen, etwa „Wir wollen unseren Führer sehen!“, verstanden.

Lebenskunst Spezial
Sonntag, 7.10.2018, 7.05 Uhr, Ö1

Zuvor hatte der bis zu dem Zeitpunkt bestimmt nicht als widerständig und mutig aufgefallene Wiener Erzbischof, Kardinal Theodor Innitzer, auf der Kanzel den Jugendlichen zugerufen: „Einer ist Euer Führer, Euer Führer ist Christus…“. Der Stephansplatz brodelte. Während die katholische Jugend ihren geistigen Widerstand gegen die Ideologie des Nationalsozialismus bekannte, bogen junge Nationalsozialsten mit „Sieg Heil“-Rufen ums Eck. Am darauffolgenden 8. Oktober schlug das NS-Regime mit aller Härte zu: HJ- und SA-Trupps in Zivil stürmten das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus am Wiener Stephansplatz. Kardinal Innitzer wurde im letzten Moment in Sicherheit gebracht, das Palais völlig verwüstet. Ein Bild des Gekreuzigten, das die Nationalsozialisten mit ihren Dolchen durchlöcherten, hängt heute – nicht restauriert – als Mahnung im Konsistorialsaal (derzeit in der Ausstellung „Zeig mir deine Wunde“ im Wiener Dom Museum zu sehen).

In einer Spezialausgabe von LEBENSKUNST auf den Tag genau 80 Jahre nach der Rosenkranz-Demonstration kommen Zeitzeug/innen ebenso zu Wort wie Kardinal Christoph Schönborn, als Erzbischof von Wien einer der Nachfolger von Theodor Innitzer. Historikerinnen und Kirchenhistoriker wie Maximilian Liebmann und Annemarie Fenzl geben Antwort auf Fragen nach dem detaillierten Hergang der sich damals überstürzenden Ereignisse – und nach dem, was daraus zu lernen ist. Junge Menschen von heute erzählen, was sie von der Tugend „Widerstand“ halten. Und katholische Ordensfrauen sowie Religionswissenschaftler klären über die Gebetsform „Rosenkranz“ auf.

LEBENSKUNST Spezial 80 Jahre nach der Rosenkranz-Demonstration mit folgenden Themen:

Von der Kraft der Wiederholung. Rosenkranz und andere Mantras

Isabella Ferenci hat sich von katholischen Ordensfrauen das Rosenkranzgebet zeigen und von ihnen sowie von Religionswissenschaftlerin informieren lassen.

Rosenkranz und Widerstand. Wenn Bekenntnis zur Haltung wird

Martin Gross zeichnet die Ereignisse des 7. und 8. Oktober 1938 nach, als die katholische Jugend im und vor dem Wiener Stephansdom ihren geistigen Widerstand gegen die Ideologie des Nationalsozialismus bekannte.

Yes, we can. Jugend und Widerstand heute

Susanne Krischke hat sich in jüdischen, christlichen und muslimischen Jugendorganisationen umgehört.

Von der Macht des Gebets. Bibelessay zu Jakobusbrief 5, 13 - 16

Der Journalist, Publizist und emeritierte evangelische Pfarrer Christoph Weist zu jenem Bibeltext, der am 7. Oktober 2018 in evangelischen Kirchen zu hören ist: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich gemeint ist“, heißt es in einem nach dem Apostel Jakobus benannten Brief im Neuen Testament, entstanden Ende des ersten Jahrhunderts.

Bibelessay zu Jakobusbrief 5, 13 – 16

Moderation: Doris Appel

Lebenskunst 7.10.2018 zum Nachhören: