Gast auf Erden

Heute ist Allerseelen. Schüler und Schülerinnen dürfen ausschlafen, denn die Schulen bleiben geschlossen. In der katholischen Kirche gedenkt man durch Gebete und Friedhofsgänge der Verstorbenen.

Morgengedanken 2.11.2018 zum Nachhören:

Ich weiß nicht, wen Sie vermissen. Vielleicht gibt es da jemanden ganz in ihrer Nähe, den sie unendlich vermissen, weil er oder sie gestorben ist. Ich denke heute an Valentin und an Maria. Zwei wunderbare Menschen, die in diesem Jahr gestorben sind. Der Tod fragt nicht bei uns nach, wann wir Zeit für ihn haben. Er nimmt sich das Privileg, unseren Terminkalender zu ignorieren.

Martin Fenkart
ist Pastoralamtsleiter der katholischen Kirche Vorarlberg

Der Tod fragt nicht

Natürlich kann der Tod Erlösung sein, wenn der menschliche Körper keine Kraft mehr hat, um das Leben zu leben. Bei Menschen wie bei Valentin kommt bei mir aber die Frage auf: Wenn du, Gott, wirklich mit uns bist, sag, was hast du dir gedacht? Wieso gerade er? Warum muss ein junger, wunderbarer Mensch in der Blüte des Lebens – Anfang 20 – plötzlich beim Bergwandern abstürzen? Da regt sich Schmerz, Wut, Traurigkeit in mir.

Was mich neu aufrichtet, sind die Eltern des jungen Mannes. Wenige Tage nach seinem Tod, treffe ich seinen Vater. Auf seinem T-Shirt trägt er die Aufschrift „Gast auf Erden“. So geht also glauben. Der Vater erzählt mir, wie dankbar er für das Leben seines Sohnes ist und seinen Glaubenssatz trägt er auf der Brust: Wir sind hier alle Gäste. Und so steckt er mich an mit seiner Dankbarkeit und mit seiner Hoffnung, Valentin wiederzusehen. Denn stärker als der Tod ist die Liebe.