Mit wachsamen Augen

Sinnesorgane sind sinnvoll. Wir können jemandem unser Ohr schenken oder einer Person gut zureden. Wir können aber auch mit wachsamen Augen durch die Welt gehen.

Morgengedanken 3.11.2018 zum Nachhören:

Ein Zeitungsartikel hat mich vor Jahren inspiriert, eine Freundschaft mit einem armen Menschen einzugehen. Zunächst wusste ich nicht, wie ich das angehen könnte. Ich suchte einen armen Menschen als Freund. In diesem Anliegen begann ich zu beten.

Freundschaft mit einem Fremden

Es dauerte nicht lange und ich lernte Richard kennen. Jeden Morgen traf ich ihn in Wien am Schottentor. Richard war immer da, um zu betteln. Anfangs war ich ziemlich unbeholfen. Aus zurückhaltenden, scheuen Begegnungen wurden regelmäßige Gespräche. Wir verbrachten ein paar Minuten miteinander bei einer Zigarette und lernten uns kennen. Ich erfuhr Auszüge aus seiner Lebensgeschichte und wie es kam, dass er auf der Straße landete. Auf einmal gehörte Richard irgendwie in mein Leben. Freundschaft mit jemandem zu schließen, der auf der Straße lebt, verändert den Blick auf das eigene Leben.

Die eigenen Fragen oder Wehwehchen relativieren sich schnell. Es steigt die Dankbarkeit über das eigene Bett und die eigene Familie. Das Größte aber ist die Erfahrung, dass die Freundschaft mit einem Fremden auch mich selbst verändert hat. Die Art zu sehen, die Art zu reden, die Art zuzuhören. Ich meine: Sinnesorgane – Augen, Mund und Ohren – sollten Sinnstiftorgane sein.