Lernen aus der Geschichte

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. In den heutigen Morgengedanken berichtet Olivier Dantine, dass die Kirchen aus den damaligen Ereignissen ihre Lehren gezogen haben.

Morgengedanken 5.11.2018 zum Nachhören:

In diesen Tagen erinnert Europa an das Ende des Ersten Weltkrieges. Es war ein Krieg vorher nie dagewesenen Ausmaßes. Massenvernichtungswaffen wurden erstmals eingesetzt, auch die Zivilbevölkerung wurde angegriffen und damit so stark vom Krieg betroffen wie nie zuvor. Für die großen Kirchen, vor allem die evangelische und katholische Kirche war dieser Krieg kein Ruhmesblatt. Mit wenigen Ausnahmen stimmten die großen Kirchen in die allgemeine Kriegsbegeisterung mit ein, und so konnte jede Seite in der Ansicht bestärkt werden, Gott sei auf ihrer Seite.

Olivier Dantine
ist Superintendent der evangelischen Kirche für Salzburg und Tirol

Beitrag für den Frieden

Die Kirchen haben damit die Botschaft des Evangeliums verraten. Jesus war durchaus streitbar, hat aber Gewalt als Konfliktlösung abgelehnt. Die ersten Christen hielten an ihrer pazifistischen Haltung fest. Später, nachdem das Christentum Staatsreligion wurde und man über die Frage nachdachte, ob Christen auch mit der Waffe in den Armeen dienen durften, wurden Bedingungen für einen „gerechten Krieg“ formuliert. Krieg, der für notwendig erachtet wurde, sollte so in seinen Folgen eingegrenzt werden.

Funktioniert hat dieses Eingrenzen nie wirklich. Und so sind die Kirchen, vor allem unter dem Eindruck der beiden Weltkriege, wieder zurückgekehrt zur Ansicht, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein darf. So wollen Kirchen einen aktiven Beitrag für den Frieden in der Welt leisten.