„La Guadalupana“ – Die große Mutter Mexikos

Vor der Eroberung Mexikos vor nun bald 500 Jahren (1519 – 1521) stand an der Stelle der römisch-katholischen Basilika „Unserer Lieben Frau von Guadalupe“ im Norden von Mexiko-City der Tempel der aztekischen Erdgöttin Tonantzin (übersetzt: „unsere verehrte Mutter“ oder auch „Göttermutter“).

Heute pilgern alljährlich mehr als 20 Millionen Menschen dorthin. Den Ortsnamen „Guadalupe“ – ein bedeutender Marien-Wallfahrtsortes in Spanien – haben die spanischen Eroberer mitgebracht. Die „Guadalupana“, also die „Heilige Maria“, die Mutter Jesu, sollte zum Zeichen der göttlichen Mission und der spanischen Macht und Herrschaft werden, in deren Namen die Konquistadoren die „Neue Welt“ für sich in Anspruch nahmen.

Tao
Samstag, 22.12.2018, 19.05 Uhr, Ö1

Einige Jahre nach der Eroberung Mexikos, im Jahr 1531, soll die „Guadalupana“ dem Indio Juan Diego erschienen sein und sich als seine Mutter vorgestellt haben. Ihr Teint war dunkel, Mondsichel und vierblättrige Blume als Muster auf ihrem Mantel waren für die Ureinwohner/innen vertraute Attribute. Die unterlegenen Azteken und Maya – deren Tempel von den Spaniern zerstört worden waren – deuteten sie als Zeichen der Hoffnung und eines Neubeginns.

Aus der „Gottesmutter“ der Eroberer wurde die Schutzpatronin der Eroberten und später die „Mutter aller Mexikaner“. „La Guadalupana“ wurde ein integrierender Faktor, der mithalf, die Unabhängigkeit zu erlangen und die nationale Identität des Landes zu finden. Bis heute ist sie ein Symbol der Nation, der „kleinste gemeinsame Nenner“ aller Mexikaner/innen: der Weißen, der sogenannten Mestizen und der Indios. Eine Reise zu einer „großen Mutter“, zwei Tage vor dem Geburtsfest ihres Kindes, das als „Erlöser“ in die Geschichte eingegangen ist. Eine Geschichte, die schon Jahrtausende früher begonnen hat.

Gestaltung: Maria Harmer

Tao 22.12.2018 zum Nachhören: