„Wer auf den Wind achtet...“

Achtsamkeit und Sensibilität - dazu rät Rotraud Perner im Advent, statt sich der permanenten Geräuschkulisse in Einkaufszentren auszusetzen.

Morgengedanken 7.12.2018 zum Nachhören:

Advent als Zeit der Erwartung: Das ist Ausrichtung auf etwas Zukünftiges, und je ferner Zukunft liegt, desto breiter ist ihr Panorama. Will man diese Weitwinkelperspektive mit dem geistigen – dem visionären – Blick umfassen, pflegt man unbewusst tief einzuatmen und den Brustkorb zu weiten, was gleichzeitig mit einem unwillkürlichen Aufrichten verbunden ist. (Im Focusing, einer psychotherapeutischen Methode, heißt diese Körperveränderung Body Shift und wird als Zeichen gewertet, dass in diesem Augenblick seelische Entwicklung stattfindet.)

Rotraud Angelika Perner
ist evangelische Theologin und niederösterreichische Hochschulpfarrerin im Ehrenamt

"... der säht nicht"

In diesem Zustand kann sich die Wahrnehmung in Richtung größerer Sensibilität und Achtsamkeit öffnen. Etwas Ähnliches erleben viele Menschen, wenn sie „innig“ feierliche Kirchenlieder singen: Das Herz geht auf und manchen entströmen alte, bisher ungeweinte Tränen – und Tränen reinigen bekanntlich.

Es lohnt sich, die Lieder, die im Advent permanente Geräuschkulisse bilden, um gestresste Menschen in (Kauf)stimmung zu bringen, danach zu prüfen, welche Stimmungen sie bewirken: lustige oder zarte, zärtliche. Friedliche, zärtliche Stimmung kann entstehen, wenn man denen, die man liebt, lange und ruhig in die Augen sieht. Dann beginnt nämlich der Austausch von Herzensenergie – und den vermeiden viele, weil das Gefühle auslöst. Sie schauen lieber „in die Wolken“.