Kältetod des Mitgefühls

Dezember - die kalte Jahreszeit ist da. Von einer Kälte, die nichts mit Graden oder Thermometern zu tun hat, erzählt Georg Schärmer.

Morgengedanken 10.12.2018 zum Nachhören:

Der verstorbene Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher prophezeite einmal, dass die größte Bedrohung unserer Gesellschaft der „Kältetod des Mitgefühls“ werden könnte.

Georg Schärmer
ist Caritasdirektor der Diözese Innsbruck

Wacher Geist und Widerstand

Ungeachtet der vielen guten Geschichten, die es in unserem Land zu erzählen gibt; Geschichten der Hilfsbereitschaft und Zuwendung, der beherzten Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich, des ehrenamtlichen Einsatzes für das Gemeinwohl, des großartigen Dienstes pflegender und betreuender Angehöriger, der Großzügigkeit treuer Spenderinnen und Spender – müssen wir leider auch feststellen, dass das Klima rauer geworden ist. Menschen, die nicht „in das Schema“ passen, werden verdrängt und ausgegrenzt. Die geschürte Angst knabbert an der guten Seele unseres Landes; Neid und Missgunst werden schamlos ausgedrückt; Notleidende zu Sozialschmarotzern abgestempelt.

Wollen wir nicht selber früher oder später zu Opfern dieses „zwischenmenschlichen Klimawandels“ werden, braucht es wachen Geist und Widerstand. Oder wie es Hannah Arendt ausgedrückt hat: Wir haben kein Recht, gehorsam zu sein.