Mit Erasmus in ein neues Jahr

Es wird uns weit ums Herz und frei um den Kopf, wenn wir uns in die Nähe des Erasmus begeben, des Desiderius Erasmus von Rotterdam. Er war der bedeutendste Humanist nördlich der Alpen und der erste „bewusste Europäer“.

Gedanken für den Tag 31.12.2018 zum Nachhören:

Erasmus steht nicht im Heiligenkalender, dazu war der fromme Gelehrte zu liberal. Im Kalender steht heute Silvester, er war Papst, als im Jahr 313 die Kaiser Ost- und Westroms Religionsfreiheit ausriefen: „Jedem Menschen sollten seine Gedanken und Wünsche gewährt werden, die ihn in die Lage versetzen, geistliche Dinge so anzusehen, wie er selbst es will.”

Hubert Gaisbauer
ist Publizist

Weites Herz und freier Kopf

Doch zurück zu Erasmus – zu seiner Weite des Herzens und seinem freien Kopf. Wir beenden heute gedankenvoll ein wichtiges Jahr für Europa und wir erwarten ein wichtiges Jahr für Europa. Wir fragen uns: Hatte das vergangene Jahr etwas von der Weite des Herzens und dem freien Kopf des Erasmus – und wir wünschen dem Jahr, das morgen beginnt, dass es das haben möge.

Als Bundespräsident van der Bellen im November die Niederlande besuchte, erinnerte König Willem-Alexander an das sechzigjährige Bestehen des Erasmus-Preises, der berühmten Stiftung der Niederlande für herausragende Leistungen in Kunst und Menschlichkeit. Der König erinnerte daran, wer – vor sechzig Jahren! – der erste Erasmus-Preisträger war: Es war das österreichische Volk. Begründung: „Es hat sein beeindruckendes kulturelles Erbe erneuert und in eine europäische Perspektive gestellt.“ Der König wiederholte dann einen Satz aus der Rede van der Bellens. Einen Satz, der wörtlich von Erasmus sein könnte: Europa ist ein Kontinent des UND - und nicht des Entweder/Oder. Liebe zur Heimat und zur eigenen Gruppe dürfe nicht umschlagen in Hass und Aggression gegen andere. Dazu – möchte ich ergänzen – helfe uns im kommenden Jahr ein weites Herz und ein freier Kopf.

Musik:

Paul O’DETTE: „Alo“ von John Dowland
Label: ASTRÉE audivis E 7715