Vom Kinderbett zum Sterbebett

Zwischen dem Kinderbett und dem Sterbebett wachen und schlafen wir von einem Bett zum nächsten. Gut gemacht, gar nicht gemacht, mehr oder weniger bunt, die Betten.

Gedanken für den Tag 2.2.2019 zum Nachhören:

Bei welchen Bettüberzügen auch immer, bei welchem Preis für die Matratze auch immer. Es besteht die Hoffnung, dass man aus diesem Bett aufstehen kann, um wen auch immer zu verlassen, um wieder aufrecht gehen zu lernen. Trotzdem, bei welchem der Bettendesigns der Erwachsenen auch immer, ist da immer noch der Geruch des eigenen Kinderbetts, die Traumlandschaft zwischen den Pölstern und den Stofftieren, aus der man sich vor Schulbeginn nur sehr ungern verjagen lässt.

Herbert Maurer
ist Schriftsteller und Übersetzer

Abenteuer Aufstehen

Auf der anderen Seite der Zeit, der Lebenszeit, ist dann aber auch das Sterbebett – das riecht zum Beispiel nach Angst. Wir haben es ja gelernt, wie es ist, aus dem einen oder anderen Bett, vor allem aber aus den Ängsten aufzustehen. Da müssen weder Kinder- noch Sterbelieder gesungen werden. Es kann ja auch nach Kaffee riechen oder nach Meer oder nach Benzin, oder nach dem Parfüm eines Menschen, den man mag.

Aufstehen ist immer ein Abenteuer. Wir müssen unser Bett ja nicht immer in die Hand nehmen, aber: Gehen ist gut. Fürs Denken ist der aufrechte Gang wohl das Beste. Gehen wir weiter!

Musik:

Wolfgang Schneiderhan/Violine und Walter Klien/Klavier: „Improvisation: Andante cantabile“ - 2. Satz aus der Sonate in Es-Dur op. 18 für Violine und Klavier von Richard Strauss
Label: DG 4158932