Ein Projekt gegen das Vergessen

Themen: Matthias Geist im Porträt; Ein Nachkomme von Shoah-Opfern besucht Wien; Erinnerungsinstallation der besonderen Art; Bibelessay von Martin Jäggle

Vom evangelischen Gefängnisseelsorger zum Superintendenten – Matthias Geist im Porträt

In Österreich leben derzeit rund 289.000 evangelisch-lutherische Christinnen und Christen. Nach Oberösterreich ist Wien die zweitgrößte evangelische Diözese des Landes. Ihr neuer Superintendent, Matthias Geist, wird am Sonntag, 27. Jänner, Nachmittag feierlich in der Lutherischen Stadtkirche in der Wiener Dorotheergasse in sein Amt eingeführt.

Lebenskunst
Sonntag, 27.1.2019, 7.05 Uhr, Ö1

17 Jahre lang war der gebürtige Salzburger zuvor in der Gefängnisseelsorge tätig, nun muss er sich vermehrt anderen gesellschaftspolitischen Themen wie Migration und Mindestsicherung sowie strukturellen Fragen der Gemeinden seiner Diözese widmen. Sein Ziel war und ist es, gesellschaftliche und zwischenmenschliche Gräben zu überwinden. Das Porträt eines „Brückenbauers“ von Maria Harmer.

In den Spuren meiner Mutter - Ein Nachkomme von Shoah-Opfern besucht Wien

Am 27. Jänner wird der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen. Warum genau dieses Datum, das ist leicht erklärt: Am 27. Jänner jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Geschehen ist das im Jahr 1945 - also vor nunmehr 74 Jahren. Das bedeutet auch: Viele von den Überlebenden des NS-Horrors sind mittlerweile verstorben. Die Zahl derer, die noch aus eigener Erfahrung Zeugnis abgeben können, ist klein - und sie wird immer kleiner.

Nicht zuletzt deshalb sind es zunehmend andere, die sich jetzt zu Wort melden: die Angehörigen der zweiten Generation. Auch sie sind Betroffene des Holocaust, wenn auch in einer anderen Weise. Etwa dadurch, dass sie als Kinder keine anderen Angehörigen hatten als Vater, Mutter und eventuell Geschwister. Großeltern, Onkel und Tanten - für viele hat es das nie gegeben. Dazu kommt, dass die Eltern von ihren traumatischen Erfahrungen geprägt waren, dass die Spuren des unaussprechlichen Grauens präsent waren - auch wenn vielfach gar nicht darüber gesprochen wurde. Wie ein Leben führen - ein möglichst glückliches Leben - wenn man unter diesen Bedingungen aufgewachsen ist?

Brigitte Krautgartner hat darüber mit dem US-Amerikaner Michael Turek gesprochen, der seine Wurzeln auch in Wien hat.

Never/Forget/Why? – Ein Projekt gegen das Vergessen

Eine Erinnerungsinstallation der besonderen Art wird am Abend des Holocaust-Gedenktages feierlich eröffnet und ist ab 28. Jänner im Wiener Rathaus zu sehen. „Never/Forget/Why?“ - diesen Titel hat die Psychotherapeutin, Historikerin und Künstlerin Anna Wexberg-Kubesch ihrer Kunstinstallation gegeben. Sie ist die Folge eines Erinnerungsprojekts, in dem Anna Wexberg-Kubesch Karten im A6-Format in einer Stückzahl von 15.000 leer produzieren ließ, diese mit den Begriffen „never“, „forget“ oder „why?“ stempelte und Menschen aller Altersgruppen bat, jeweils eine Karte zum Thema Theresienstadt und den dortigen Ereignissen inhaltlich zu gestalten. Der Rückfluss war überwältigend.

Gewidmet hat Anna Wexberg-Kubesch die gestalteten Karten und ihre Installation jenen Kindern und Jugendlichen, die während der Zeit des Nationalsozialismus im KZ Theresienstadt getötet oder von dort in andere Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet worden sind. Anna Wexberg-Kubesch beschäftigt sich schon seit Langem schwerpunktmäßig mit den jungen Opfern des Nationalsozialismus. Zunächst mit jenen, die dank der sogenannten Kindertransporte überlebt haben, jedoch meist all ihre Angehörigen in KZs verloren haben. Ihr jüngstes Projekt hat sie mehrere Jahre betrieben und präsentiert es nun im Wiener Rathaus. Judith Fürst hat mit Anna Wexberg-Kubesch gesprochen.

Gottesdienst vor 2500 Jahren - Bibelessay zu Nehemia 8, 2 - 4a.5 - 6.8 - 10

Das Buch Nehemia zählt zu jenem Abschnitt des Alten oder Ersten Testaments, der Hebräischen Bibel, der „Chronistisches Geschichtswerk“ genannt wird. Man nennt es auch „2. Buch Esra“, weil auch hier der vor allem im Judentum sehr gewichtige Prophet Esra eine prominente Rolle spielt. Die Zeit Esras und Nehemias - rund 400 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung - war eine Zeit folgenreicher philosophischer Strömungen und Umbrüche, die bekannte Denker, Philosophen und Religionsstifter hervorbrachte. Bekannte ungefähre Zeitgenossen waren Buddha, Konfuzius, Sokrates, Plato und Aristoteles. Esra wiederum gilt als Erneuerer und teilweise sogar als Schöpfer des Judentums, wie wir es heute kennen. Ein Abschnitt aus dem Buch Nehemia ist Teil der römisch-katholischen Leseordnung für die Messen am 3. Sonntag im Jahreskreis. Gedanken dazu macht sich für LEBENSKUNST der katholische Theologe Martin Jäggle. Er ist Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Bibelessay zu Nehemia 8, 2 - 4a.5 - 6.8 -10

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 27.1.2019 zum Nachhören:

Links: