Gedanken über Freundschaft

Was haben Sie heute vor? Vielleicht einen Besuch bei guten Freunden? Um das Wesen der Freundschaft geht es auch in den Morgengedanken von Josef Kopeinig.

Morgengedanken 10.2.2019 zum Nachhören:

In dieser Woche möchte ich mit Ihnen einige Gedanken über die Freundschaft meditieren – Erfahrungen, die auch mein Leben bereichern. Ich hoffe, dass Sie einen guten Freund oder eine Freundin haben. Ich meine nicht bloß eine flüchtige Bekanntschaft, die Ihre Lebenswege nicht beeinflusst, sondern eine Freundschaft, von der Adalbert Stifter sagt: Es gibt Beziehungen, die du 20, 30, 50 Jahre lebst, aber auf einmal bekommen sie eine besondere Bedeutung und Wichtigkeit.

Josef Kopeinig
ist katholischer Pfarrer und Leiter des Bildungshauses Sodalitas in Tainach in Kärnten

Nähe und Distanz

Mir ist Freundschaft sehr wichtig. Auch mein Verhältnis zu Gott nährt sich von den positiven Erfahrungen der Freundschaft. Freunde stehen mitten in unserem Leben, nicht am Rande. Die Beziehungen zu ihnen sind deshalb nicht oberflächlich, sondern innig und vertrauensvoll. Mit Freunden leben wir nicht wie Monaden nebeneinander, sondern wir bewohnen ein geistiges Zuhause. Aber auch das geistige Zuhause kennt letztlich Geheimnisse, die sich weder dem Freund, noch uns selbst ganz erschließen. Deshalb meint Freundschaft neben liebender Nähe immer auch ehrfurchtsvolle Distanz.

So sagt es auch der bengalische Philosoph und Schriftsteller Rabindranath Tagore: „Freund, lass mich deine Liebe sehen – selbst durch die Schranken der Nähe!“ Vielleicht kann der eine oder der andere Gedanke Sie in den heutigen Tag so begleiten, dass Sie für gelebte und erlebte Freundschaft Gott danken können.