Der Kardinal und die frühere Ordensfrau

Themen: Frauen in Österreich wählen seit 100 Jahren; Mit der Caritas in Armenien; Kardinal Schönborn und Doris Wagner-Reisinger über Missbrauch in der katholischen Kirche; Bibelessay von Josef Schultes

Als Frauen endlich wählen durften – ein Durchbruch, auch für gläubige Frauen

Es ist ein Meilenstein in der politischen Geschichte Österreichs – am 16. Februar jährt er sich zum 100. Mal. Jener Tag nämlich, an dem Frauen auf dem Gebiet des heutigen Österreich (damals Deutsch-Österreich) zum ersten Mal politisch mitbestimmen konnten. Nachdem sie im November 1918 das Wahlrecht erhalten hatten, durften sie am 16. Februar 1919 bei den ersten Wahlen nach dem Ende der Monarchie tatsächlich ihre Stimme abgeben - und auch selbst für politische Ämter kandidieren.

Lebenskunst
Sonntag, 10.2.2019, 7.05 Uhr, Ö1

Viele Jahre hatten sich Frauen für ihre Rechte - eben auch die politischen - eingesetzt. Unter ihnen auch Frauen, die sich dabei von ihren religiösen Überzeugung leiten ließen. Dazu gehörten Bertha Pappenheim, Tochter aus jüdisch-orthodoxem Haus - und die christlich-soziale Politikerin Hildegard Burjan. Sie stammte aus einem liberalen jüdischen Elternhaus, wandte sich dem Christentum zu und wurde schließlich sogar von der katholischen Kirche selig gesprochen. Judith Fürst hat mit zwei Kennerinnen der beiden Frauenrechtlerinnen gesprochen.

Reich die Kultur, bedürftig die Menschen – Reise nach Armenien

Das Kaukasusland Armenien, östlich der Türkei und des Iran, hat als erstes das Christentum zur Staatsreligion erhoben - nämlich schon im 3. Jahrhundert. Rund 90 Prozent der Armenier und Armenierinnen gehören der armenisch-apostolischen Kirche an. Dazu kommen kleine Minderheiten, die zur katholischen bzw. protestantischen Tradition gehören. Judentum und Islam spielen keine gesellschaftlich bedeutende Rolle.

Eine Küche in einer Notunterkunft in Gyümri in Armenien

ORF/Alexandra Mantler

Eine Küche in einer Notunterkunft in Gyümri in Armenien

Politisch tut sich einiges in Armenien: Die sogenannte „Samtene Revolution“ hat im Vorjahr einen friedlich verlaufenen Machtwechsel gebracht - von der arrivierten Regierung hin zu einer Protestbewegung. Nun sind die Erwartungen der Bevölkerung hoch an die neue Regierung, doch die Gegenwart sieht für viele noch recht trist aus. Und hier vor allem für die Jüngsten. Darum ist Armenien auch ein Schwerpunktland der „Caritas Kinderkampagne 2019“. Alexandra Mantler hat mit einer Delegation der Caritas und Journalistinnen und Journalisten aus Österreich die ärmste Region Armeniens besucht. Die Reise wurde teilweise von Sponsoren der Caritas finanziert.

Der Kardinal und die frühere Ordensfrau – ein außerordentlicher Gedankenaustausch

Seit 6. Februar beschäftigt es Medien und Menschen, vor allem in Österreich: ein so berührendes wie offenes Gespräch, das eine frühere Ordensfrau, die massiver sexueller Gewalt von katholischen Geistlichen ausgesetzt war, mit dem Erzbischof von Wien geführt hat. Die Autorin Doris Wagner-Reisinger - nun berufstätig, verheiratet, Mutter - und Kardinal Christoph Schönborn haben sich in einem Studio des Bayerischen Rundfunks zur Aussprache getroffen. Stefan Meining hat das Gespräch zum Zentrum seiner Doku „Missbrauch in der katholischen Kirche. Eine Frau kämpft um Aufklärung“ gemacht. Und Kerstin Tretina hat einige Passagen dieses besonderen Films zusammengefasst.

Berufung eines Propheten – Bibelessay zu Jesaja 6, 1 - 2a; 3 - 8

Eigentlich ist es ein Vorgang, der aus der Jetzt-Zeit durchaus bekannt ist: ein Autor/eine Autorin (in selteneren Fällen auch ein Team) verfasst die Biografie einer herausragenden, bereits verstorbenen Persönlichkeit.

Mehr oder weniger in dieser Form sei auch der Text aus dem Ersten oder Alten Testament der Bibel entstanden, der am „5. Sonntag im Jahreskreis“ in katholischen Kirchen zu hören ist. So jedenfalls sieht es die moderne Bibelwissenschaft mehrheitlich: Im 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung habe der Prophet gewirkt, Jahrhunderte später sei dann das Buch Jesaja in seiner Endfassung vorgelegen, heißt es. Unabhängig von seiner religiösen Tragweite ein Stück Weltliteratur. Eine entscheidende, in ihrer poetischen Dichtheit durchaus metaphorisch-mythisch anmutende Passage daraus kommentiert der Bibelwissenschaftler und Religionspädagoge Josef Schultes.

Bibelessay zu Jesaja 6, 1 - 2a; 3 – 8

Moderation: Brigitte Krautgartner

Lebenskunst 10.2.2019 zum Nachhören:

Mehr dazu:

Missbrauch: Schönborn kritisiert kirchliche Strukturen
(religion.ORF.at/APA/dpa; 6.2.2019)

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