Armenien: Mit Bildung aus der Armut

In Armenien kann das Thermometer im Winter leicht einmal 30 Grad Minus zeigen. An diesem Wintertag in Gymri, der zweitgrößten Stadt des Landes, ist es nicht ganz so schlimm, irgendjemand murmelt etwas von 14, 15 Grad Minus, aber der Wind lässt es noch kälter erscheinen.

Die Kaukasus-Republik Armenien blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es ist jenes Land, das als erstes das Christentum zur Staatsreligion erhoben hat, nämlich schon im dritten Jahrhundert. Doch der Blick in die Vergangenheit ist auch schmerzvoll, erinnert etwa an den Genozid im Osmanischen Reich, dem zwischen 1915 und 1917 1,5 Millionen Armenierinnen und Armenier zum Opfer fielen oder an das Erdbeben vor 30 Jahren, dessen Verwüstungen heute noch an allen Ecken und Enden spürbar sind. Im vergangenen Jahr hat die „Samtene Revolution“ zu einem friedlichen Regierungswechsel in Armenien geführt und lässt nun viele Menschen auf wirtschaftlichen Aufschwung hoffen.

Praxis
Mittwoch, 13.2.2019, 16.05 Uhr, Ö1

Doch nach wie vor hausen viele Menschen in den „Übergangsquartieren“ von damals nach dem Erdbeben: zugige Holzcontainer, in denen es mehr Ratten als Lebensmittel gibt. „Fünf Minuten Hilfe sind besser als zehn Minuten Mitleid“, lautet ein armenisches Sprichwort. Die österreichische Caritas, das Hilfswerk der römisch-katholischen Kirche, hilft nicht erst seit fünf Minuten, sondern seit 30 Jahren in Armenien. Armenien ist auch ein Schwerpunktland der „Caritas Kinderkampagne 2019“.

Die beim Erdbeben 1988 zerstörte Kirche in Gymri wurde bisher nur äußerlich wieder aufgebaut. Benützbar ist sie nicht.

ORF/Alexandra Mantler

Die beim Erdbeben 1988 zerstörte Kirche in Gymri wurde bisher nur äußerlich wieder aufgebaut. Benützbar ist sie nicht.

Mit 20 Euro pro Monat könne man einem Kind täglich eine gesunde Jause im Kindergarten, eine warme Suppe im Kinderzentrum und vor allem Halt und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben, meint der österreichische Caritas-Präsident Michael Landau. Denn jedes Kind habe ein Recht auf faire Chancen – „unabhängig davon, in welchem Land es geboren ist, wie reich oder arm seine Eltern sind, ob es am Land, in einer Stadt, in einem Slum lebt, ob es ein Mädchen oder Bub ist, ob es einer Minderheit angehört oder ein Flüchtlingsschicksal erleidet“, so Landau.

Er hat sich in Armenien ein Bild von der Lage vor Ort gemacht und wurde dabei von Journalistinnen und Journalisten aus Österreich begleitet. Alexandra Mantler hat im Zuge ihrer Reportage Familien, die in Holzcontainern am Rand der Stadt leben, besucht, ebenso wie den Erzbischof der katholischen Minderheit im Land, Raphael Minassian und den armenischen Staatspräsidenten Armen Sarkissian.

Gestaltung: Alexandra Mantler

Praxis 13.2.2019 zum Nachhören:

Mehr dazu:

Armenien: Caritas gibt Kindern Perspektiven
(Alexandra Mantler, Ö1 und religion.ORF.at; 11.2.2019)