„Was glauben Sie?“ – Svenja Flaßpöhler

Svenja Flaßpöhler ist Autorin und seit Jänner 2018 Chefredakteurin der Zeitschrift „Philosophie Magazin“. Seit ihrer Jugend beschäftigt sich die 1975 in Münster geborene Philosophin mit der Frage, wie man mit Schuld umgehen soll und wie man verzeihen kann.

Heißt verzeihen verstehen? Heißt verzeihen lieben? Heißt verzeihen vergessen? Unter diese drei Leitfragen stellt Flaßpöhler ihre philosophische Spurensuche am Anfang ihres Buches „Verzeihen. Vom Umgang mit Schuld“. Motiv für ihr Buch war eine persönliche Erfahrung: Svenja Flaßpöhler wurde im Alter von 14 zusammen mit ihrer achtjährigen Schwester von ihrer Mutter verlassen, die einen neuen, ihren dritten, Mann kennenlernte und dann den Kontakt zu ihrer Familie über viele Jahre völlig abbrach. Zurück blieben die verwundeten Kinder, die fortan unter dieser Verlustgeschichte zu leiden hatten und sich mit ihr auseinandersetzen mussten.

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Samstag, 9.3.2019, 19.05 Uhr, Ö1

Akt der Befreiung

Was heißt auf diesem Hintergrund verzeihen? Flaßpöhler nimmt ihre eigene Geschichte zum Anlass dafür, um einerseits nach Antworten bei Hannah Arendt und Jaques Derrida zu suchen, aber andererseits auch mit anderen Menschen zu sprechen, die mit der Frage konfrontiert wurden. Die Autorin spricht mit einer Frau, deren Tochter vom Amokläufer von Winnenden erschossen wurde, und die heute versucht, die innere Not des jugendlichen Täters nachzuvollziehen. Auch einem Mörder begegnete Flaßpöhler, dem alle verzeihen können, außer er sich selbst. Sie trifft auch ehemalige KZ-Häftlinge, die sich ihr Überleben auf sehr unterschiedliche Weise erkämpften. Flaßpöhler zeigt, warum Verzeihen ein Akt der Befreiung ist und man immer wieder neu lernen muss, wie man vergibt.

Svenja Flaßpöhler lebt mit dem Autor Florian Werner und den beiden gemeinsamen Kindern in Berlin. Johannes Kaup hat die Philosophin gefragt, was sie in ihrem Denken und Leben motiviert und woran sie glaubt.

Gestaltung: Johannes Kaup

Logos 9.3.2019 zum Nachhören: