Emmaus

Ist das möglich: einem vertrauten Menschen zu begegnen – und ihn nicht zu erkennen? Weil er plötzlich so anders ist… In der Bibel ist so eine Szene beschrieben.

Morgengedanken 15.3.2019 zum Nachhören (bis 14.3.2020):

Sehr spannend, wie viele Auferstehungserzählungen wir in den vier Evangelien finden und wie unterschiedlich sie sind. Für mich ist diese Vielfalt ganz wichtig. Die Auferstehung Jesu ist etwas, das von den einzelnen Personen auf ihre je eigene Art und Weise wahrgenommen und gedeutet wurde. Eine mir besonders nahegehende Geschichte ist jene der beiden Emmausjünger, die wir im 24. Kapitel des Lukasevangeliums finden.

Dietmar Stipsits
ist römisch-katholischer Pfarrer im Seelsorgeraum Bad Tatzmannsdorf, Bernstein und Mariasdorf im Burgenland

Trotz mancher Krisen

Die Stimmung der beiden Jünger, die aus Jerusalem flüchteten, war alles andere als verheißungsvoll. Ihre Hoffnung war nach Jesu Kreuzigung vernichtet und zerschlagen. Alles war plötzlich zusammengebrochen, ihre Träume und Vorstellungen für die Zukunft. Der Fremde, Jesus, belehrt nicht, als er sich dazugesellt, sondern lässt die Beiden zunächst selbst zu Wort kommen, damit sie ihren Kummer und Zweifel äußern. Jesus weiß, wie wichtig es ist, alles aussprechen zu dürfen.

Genau so muss Kirche sein: Ich kann über meine Ohnmacht, über meine Lebensängste und über meine zerstörten Hoffnungen sprechen, und darf darauf vertrauen, dass Jesus mit mir geht und mir dabei hilft, meinen Lebensweg trotz mancher Krisen als Mensch voller Hoffnung zu gehen.