Im Reich der „Gefiederten Schlange“

Götter und Kulte der Azteken: In der Karwoche des Jahres 1519 landete der spanische Eroberer Hernán Cortés mit seinen Begleitern in der Nähe der heutigen Stadt Veracruz in Mexiko.

Zu dieser Zeit war der sogenannte „Aztekische Dreibund“ unter der Führung von Moctezuma II., dem Herrscher der Stadt Tenochtitlan (auf dem Gebiet des heutigen Mexiko-City), die vorherrschende Macht im Tal von Mexiko.

Tao
Samstag, 6.4.2019, 19.05 Uhr, Ö1

Der wichtigste Gott der Azteken (oder „Meschika“, wie sie sich selbst nannten) war Huitzilopochtli, der Sonnen- und Kriegsgott mit seinen zahlreichen Erscheinungsformen. Ihm opferten sie kostbares Menschenblut, damit die Sonne am Morgen wieder aufging, und er hatte die Azteken aus ihrem geheimnisvollen Ursprungsland zu jener Insel im See geführt, wo ein Adler, auf einem Kaktus sitzend, eine Schlange verspeiste. Bis heute ist dieses Bild das Wappen Mexikos, und das war der Legende nach der Ort, an dem sie ihre neue Hauptstadt, Tenochtitlan, gründen sollten.

Auf Spurensuche von Traditionen

Als Hernán Cortés und seine spanischen Begleiter 1521 Tenochtitlan erreichten, waren sie tief beeindruckt von der prachtvollen Stadt, ihren Palästen und Tempelpyramiden, einem ausgeklügelten System von Brücken, Kanälen und Aquädukten. Cortés und seine Männer wurden freundlich begrüßt. Einer Legende nach hätte der rotbärtige Eroberer auf dem Pferd der zurückkehrende Gott Quetzalcoatl sein können. Quetzalcoatl – oft als gefiederte Schlange dargestellt – war ein weiterer Hauptgott im großen Pantheon der Azteken: Schöpfergott, Gott des Himmels und der Erde sowie der Auferstehung und in anderen Erscheinungsformen auch Gott des Windes.

Moctezuma beschenkte Cortés. Doch das Gold und die Geschenke der Azteken, die die Spanier besänftigen und fortschicken hätten sollen, erreichten das Gegenteil: ihre Gier wuchs. Und so plünderten und zerstörten die Spanier nicht nur Tenochtitlan, sondern sie massakrierten auch die Bevölkerung des Landes und vernichteten die Kultur der Azteken mit ihren prachtvollen Tempeln, Kunstwerken und kostbaren Handschriften. Doch wer waren die Azteken? Was kennzeichnete ihre Kultur? Welche religiösen Vorstellungen und Riten hatten sie? Welche Annahmen zählen eher zu Mythen und Legenden, was ist tatsächlich bereits erforscht?

Maria Harmer hat sich – 500 Jahre nach der Landung von Hernán Cortés in Mexiko – auf eine Spurensuche jener Kulte und Traditionen begeben, die die Spanier im 16. Jahrhundert vorgefunden haben und die bis heute nachwirken.

Gestaltung: Maria Harmer

Tao 6.4.2019 zum Nachhören (bis 5.4.2020):