„Tod am Kreuz – Was gibt es da zu feiern?“

Der Karfreitag aus Sicht der christlichen Theologien: So viel Aufmerksamkeit hat ein christlicher Feiertag schon lange nicht mehr bekommen – wie der Karfreitag seit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes.

Auf die politische Debatte (im Lichte des Gleichheitsgrundsatzes) folgte rasch die theologische: Ist der Karfreitag für evangelische Christinnen und Christen tatsächlich von so herausragender Bedeutung, dass er unbedingt ein gesetzlicher Feiertag sein muss? Und: Ist er in der katholischen Kirche wirklich so zweitrangig, dass er getrost ein normaler Arbeitstag sein darf? Und noch dazu: Warum gilt die „Sonderregelung“ auch für Mitglieder der altkatholischen und evangelisch-methodistischen Kirche?

Logos
Samstag, 13.4.2019, 19.05 Uhr, Ö1

Leiden und Sterben am Kreuz

An sich steht die zentrale Bedeutung des Karfreitags für die gesamte Christenheit außer Zweifel. Er ist dem Leiden und Sterben von Jesus Christus am Kreuz gewidmet: „O unfassbare Liebe des Vaters: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin!“ – so heißt es dann in der Osternacht im „Exsultet“, im großen Osterlob, mit dem die Auferstehung Christi von den Toten verkündet wird. Der Tod am Kreuz ist also nach christlicher Auffassung eine Art „Sühneopfer“ – die Menschheit wird dadurch von den Folgen des „Sündenfalls“ im Garten Eden erlöst. „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“, heißt es bei Paulus (1. Korinther 15, 22). Weitere theologische Interpretationen übersetzen den Kreuzestod Jesu etwa als „erlösende Solidarität“: Jesus Christus ist mit den Menschen solidarisch bis in den Tod und überwindet diesen in der Kraft Gottes. Demgemäß wird sein Tod für alle Menschen, die unter dem Schicksal des Todes stehen, zur Quelle und Möglichkeit eines neuen Lebens.

Der „Tod am Kreuz“ war und ist auf jeden Fall eine der grausamsten Hinrichtungsarten, die der Mensch je ersonnen hat: Das langsame Ersticken kann Tage dauern. (Nach biblischem Bericht stirbt Jesus binnen weniger Stunden, was immer wieder zu Spekulationen über seine körperliche Konstitution geführt hat.) Der Tod am Kreuz war auch nicht auf besonders schwere Verbrechen beschränkt – im Gegenteil: Im Namen der „Pax Romana“, des „römischen Friedens“, wurde sehr großzügig und wahllos gekreuzigt. Umso erstaunlicher, dass dieser einen Kreuzigung bis heute gedacht wird – wobei sich schon die Frage stellt: Wenn ein aufrührerischer Wanderpediger am Kreuz erstickt – was gibt es da zu feiern?

Gestaltung: Markus Veinfurter

Logos 13.4.2019 zum Nachhören (bis 12.4.2020):