Auf meinem sehr, sehr langen Weg

Gedanken zum Internationalen Tag der Roma: Ich bin nicht als Romni aufgewachsen. Ich bin in Tirol geboren und lebe seit etwa 30 Jahren in Wien. Erst mit circa 32 Jahren habe ich eher zufällig meine väterliche Familie kennengelernt.

Gedanken für den Tag 8.4.2019 zum Nachhören (bis incl. 7.4.2020):

Und das war so: Bei einem Fest im Augarten spielte eine Band und nur drei Tage später hat die Sängerin und Geigerin der Band ausgerechnet bei mir im Amt, ich arbeite bei der Staatsbürgerschaftsbehörde in Wien, einen Antrag gestellt. Beim Durchschauen der Dokumente habe ich zu ihrem Ehemann gesagt: „Wenn meine Mutter meinen Vater geheiratet hätte, dann würde ich heute auch so heißen wie Sie“ - darüber haben wir geschmunzelt. Ich bin dann öfter zu Konzerten gegangen, bin mit der Familie der Musiker zusammengesessen und – was ich ja damals nicht ahnte – wurde ein bisserl ausgefragt, bis eines Tages jemand sagte: „Wir kennen deine Mutter und deinen Vater kennen wir auch“ - so habe ich nach und nach meine Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins und auch noch meinen Vater kennengelernt.

Marion Dworzack
ist Romni, Feministin und Katholikin

Schau und vergiss nicht

Ich wurde so zu einer Angehörigen der Volksgruppe der Roma, eine Romni. Ich habe mir nach und nach möglichst viel Wissen über diesen Teil meiner Wurzeln angeeignet, viel gelesen und mich von großartigen Menschen inspirieren lassen. Ich habe mich geoutet und ich stehe für meine Volksgruppe in der Öffentlichkeit. Heute bin ich Vizeobfrau eines Romavereins, Voice of Diversitiy, habe Kontakt zu den anderen Roma-Vereinen und unser Austausch ist gut. Die unterschiedlichen Schwerpunkte der verschiedenen Vereine ergänzen sich zu einem guten und fruchtbaren Ganzen.

Voice of Diversity wurde vor 15 Jahren gegründet, wir veranstalten alljährlich am 20. Mai die größte Gedenkfeier Österreichs im Barankapark in Wien-Favoriten und heute Abend auch das Festprogramm im Radiokulturhaus.

Ich bin mit anderen Romavereinen in ganz Europa vernetzt, besuche internationale Konferenzen und die Gedenkfeiern in Auschwitz am 2. August. Das Motto der Jugendbewegung, die dort jedes Jahr in Workshops geeignete Strategien für eine gelingende Zukunft erarbeitet, heißt „Dikh ne ha Bister“, „schau und vergiss nicht“.

Hinweis:

RadioKulturhaus: Internationaler Tag der Roma

Musik:

DIKNU SCHNEEBERGER TRIO: „Rubina“ von Joschi Schneeberger
Label: City Park Records 30222